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TÜV Rheinland im Porträt

TÜV Rheinland im Porträt

TÜV Rheinland: Begleiter des technischen Fortschritts

Beim Flug über den Atlantik, bei der Fahrt mit dem Aufzug oder beim Shoppen im Internet: Auf Technik muss Verlass sein. Doch wie sicher sind Produkte, Anlagen und Prozesse wirklich? Als wirtschaftlich und fachlich unabhängiger Prüfdienstleister gibt TÜV Rheinland seit fast 150 Jahren Antworten auf diese Frage. In allen wichtigen Wirtschafts- und Alltagsbereichen prüfen die Fachleute, ob bestehende Sicherheitsnormen eingehalten werden – und tragen auch mit selbst entwickelten Standards zu technischen Innovationen bei.

Die Wurzeln von TÜV Rheinland reichen zurück bis in die Hochzeit der industriellen Revolution. Im 19. Jahrhundert lösen Dampfmaschinen auch in Deutschland mehr und mehr die vorwiegend manuelle Arbeit ab. Die Automatisierung befeuert den wirtschaftlichen Aufschwung und lässt die Produktion sprunghaft ansteigen. Zugleich birgt die industrielle Fertigung das Risiko schwerwiegender Unglücke: Immer wieder explodieren Dampfkessel, Tote und Verletzte sind zu beklagen – zu neu ist die Technik, zu unerfahren sind die Betreiber. Um Abhilfe zu schaffen, überlegen staatliche Stellen, ein Zwangssystem staatlicher Technikprüfungen einzuführen, auch wenn es noch keine speziell dafür ausgebildeten Beamte gibt. In dieser Situation ergreifen die Industrieunternehmen selbst die Initiative und gründen auf regionaler Ebene die ersten „Dampfkesselüberwachungsvereine“. Aus diesen „DÜV“ sollten dann mit einer Ausweitung der Prüftätigkeiten im Laufe des 20. Jahrhunderts die Technischen Überwachungsvereine („TÜV“) werden.

Pionierleistung der Wirtschaft

Einer dieser neuen Vereine ist der 1872 gegründete „Verein zur Überwachung der Dampfkessel in den Kreisen Elberfeld und Barmen“, aus dem TÜV Rheinland hervorgegangen ist. Die Arbeit des Vereins basiert auf Prinzipien, die auch heute noch Gültigkeit haben: Wirtschaftlich und fachlich unabhängige Prüfungen durch speziell ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure erhöhen die Sicherheit der Anlagen und ermöglichen es den Unternehmen, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Die zusätzlichen privatwirtschaftlich organisierten Kontrollen entlasten zugleich die Behörden. Ab 1872 werden private technische Überwachungsvereine offiziell mit der Durchführung staatlicher Kontrollaufgaben betraut, im Fachjargon „beliehen“. Mit wachsendem Erfolg: Die Zahl der Kesselexplosionen geht in der Folge signifikant zurück, und das bei gleichzeitig steigender Produktionsleistung.

Das Leben der Menschen sicherer sowie Technik wirtschaftlich erfolgreich und sicher zu machen – dieser Leitgedanke durchzieht die gesamte Entwicklung von TÜV Rheinland vom regionalen Prüfer zum internationalen Konzern. Mit fortschreitender Industrialisierung kommt dem zuverlässigen und verantwortungsvollen Einsatz von innovativen Verfahren, Produkten und Produktionsanlagen eine immer größere Bedeutung zu. Entsprechend wächst auch das Aufgabenspektrum der Fachleute bei TÜV Rheinland stetig. Neben Dampfkesseln nehmen sie im 20. Jahrhundert Kraftwerke, Tankanlagen, Aufzüge und Kraftfahrzeuge ins Visier. Aus dem Rheinischen Dampfkessel- Überwachungsverein DÜV wird folgerichtig der Technische Überwachungsverein Köln und schließlich TÜV Rheinland. Es folgt der Aufbau der deutschlandweiten Präsenz – und eine zunehmende internationale Ausrichtung.

Beständig im Wandel

Mit der Globalisierung der Wirtschaft vergrößert auch TÜV Rheinland seinen Aktionsradius. Es gilt, Qualität und Sicherheit für immer neue Produkte und Technologien in immer neuen Märkten zu schaffen. Dafür engagiert sich das Unternehmen heute mit mehr als 21.000 Mitarbeitern, zahlreichen Tochtergesellschaften in Deutschland und in vielen Ländern rund um den Globus sowie einem weltweiten Netz von Prüf- und Laborzentren. An der Schwelle zur vierten industriellen Revolution geht es um spannende Fragen: Wie lassen sich selbststeuernde industrielle Systeme und das „Internet der Dinge“ kontrollieren? Was bedeuten Datenschutz und Informationssicherheit in der digital vernetzten Welt? Mit welchen Maßnahmen lassen sich Energieversorgung und Mobilität umwelt- und verbraucherfreundlich gestalten?

Globale Standards für neue Technologien sind gefragt, um die Risiken beim Einsatz innovativer Produkte und Verfahren zu minimieren. Waren es vor rund 150 Jahren die Dampfmaschinen, die durch die Arbeit von TÜV Rheinland sicherer wurden, geht es heute beispielsweise um Speichersysteme für regenerative Energien, die Sicherheit von vernetzten Industrieanlagen oder Künstliche Intelligenz. TÜV Rheinland prüft jedoch nicht nur einzelne Produkte. Die Expertinnen und Experten des Unternehmens begleiten auch komplexe Prozesse und Projekte, sei es bei der Planung industrieller Anlagen und von Krankenhäusern oder beim betrieblichen Gesundheitsmanagement in Unternehmen.

Verantwortung für Mensch und Umwelt

Energiewirtschaft, Umwelttechnik, Bahntechnik, IT oder Konsumgüterbranche: Als technischer Begleiter von Unternehmen, Behörden und Organisationen ist TÜV Rheinland heute in den unterschiedlichsten Wirtschafts- und Lebensbereichen tätig, um Qualität und Sicherheit zu überprüfen. Mit dieser Aufgabe ist eine besondere Verantwortung verbunden, die das Unternehmen sehr ernst nimmt. So unterliegt das gesamte Prüfsystem selbst strengen Regeln und Kontrollen. Zu den wesentlichen Grundlagen gehören die gute Ausbildung und hohe persönliche Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Unabhängigkeit der Prüfungen. TÜV Rheinland wird für seine Leistung bezahlt, das Ergebnis der Prüfungen ist jedoch offen – das gilt für die Führerschein- und Fahrzeugprüfung ebenso wie für die Produktprüfung oder die Kontrolle einer Industrieanlage. Sichergestellt wird dies unter anderem durch die Organisationsform des Unternehmens und die strenge staatliche Aufsicht. In Deutschland wird die Arbeit von TÜV Rheinland unter anderem durch Landes- und Bundesbehörden kontrolliert. Weltweit besitzt das Unternehmen mehr als 750 Akkreditierungen – die von dritter Stelle, oftmals durch staatliche Behörden ausgestellte „Lizenz zum Prüfen“.

Grundbegriffe zur Prüftätigkeit von TÜV Rheinland

Vom Dampfkesselüberwachungsverein zum Begleiter des technischen Fortschritts im digitalen Zeitalter: TÜV Rheinland beantwortet seit fast 150 Jahren die Frage danach, wie Technik und Innovationen sicher gemacht werden können. Wirtschaftlich und fachlich unabhängig, weltweit vernetzt und mit hoher Kompetenz. Im Folgenden erklären wir wichtige Grundbegriffe zur technischen Überwachung in Deutschland und zur Prüftätigkeit von TÜV Rheinland.

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Branchen und Tätigkeitsbereiche

Prüfen, untersuchen, zertifizieren, schulen und beraten: Alle zentralen Tätigkeitsfelder des TÜV Rheinland ergeben sich aus dem Anspruch zum sicheren und effizienten Betrieb technischer Anlagen oder Produkte, sei es in der Industrie, im Verkehr oder bei Konsumgütern. Organisiert ist TÜV Rheinland in seinen fünf Geschäftsbereichen Industrie Service & Cybersecurity, Mobilität, Produkte, Academy & Life Care sowie Systeme. Der Konzern ist in allen bedeutenden Wirtschafts- und Lebensbereichen tätig. Das beginnt bei der Energiewirtschaft und Konsumgüterindustrie, geht über die Automobilbranche, die Grundstoff- und Investitionsgüterindustrie, Umwelttechnik, Handel, Bau, Nahrungs-mittelindustrie, Luftfahrt, Bahntechnik, IT-Branche, den Bereich Informations¬sicherheit mit Datensicherheit und Datenschutz, Logistik, Banken und Finanzdienstleister, Landwirtschaft, Tourismus bis hin zum Bildungssektor und der Gesundheitsbranche.

Gremienarbeit

Als Mitarbeitende eines der führenden internationalen Prüfunternehmen für Qualität und Sicherheit beobachten die Prüferinnen und Prüfer von TÜV Rheinland technische und wirtschaftliche Trends und gestalten diese mit. Deshalb ist TÜV Rheinland in zahlreichen Normungsgremien vertreten. Die Ziele: Sicherheit steigern, Risiken reduzieren. Technik – so der Anspruch – muss Menschen, Unternehmen und Umwelt dienen und darf nicht schaden.

Grundsätze der Prüftätigkeit

Die TÜV Rheinland AG ist ein privatwirtschaftlich arbeitender Prüfdienstleister und prüft als sogenannter „unabhängiger Dritter“ technische Anlagen, Produkte und Dienstleistungen, führt Prüfungen im Auftrag von Unternehmen durch und begleitet Projekte und Prozesse für Unternehmen. Dies erfolgt auf Basis anerkannter Standards sowie nationaler oder internationaler rechtlicher Vorgaben; dazu zählen beispielsweise deutsche oder internationale Normen wie DIN oder ISO, aber auch Gesetze und Verordnungen. Zudem schulen und qualifizieren die Fachleute von TÜV Rheinland Menschen in zahlreichen Berufen und Branchen. Dazu verfügt das Unternehmen über ein globales Netz anerkannter Labore, Prüf- und Ausbildungszentren. Die Tätigkeit der Menschen bei TÜV Rheinland ist von der Überzeugung getragen, dass gesellschaftliche und industrielle Entwicklung ohne technischen Fortschritt nicht möglich sind. Hierfür ist der sichere und verantwortungsvolle Einsatz technischer Innovationen, Produkte und Anlagen entscheidend.

Internationales Netzwerk

Zu den Kunden von TÜV Rheinland zählen regional verankerte kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie weltweit tätige Konzerne. Durch die Vernetzung globaler Waren- und Wirtschaftsräume steigt bei den Kunden das Bedürfnis nach Dienstleistern, die sie global begleiten können. Entsprechend stark ist die internationale Ausrichtung bei TÜV Rheinland. Weltweit geht das nur mit spezialisierten Expertennetzwerken, einheitlichen Prozessen, einem globalen Netz von Prüf- und Laborzentren sowie den nationalen und internationalen Anerkennungen für Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen. Die Labore des TÜV Rheinland verfügen ihrerseits über die unabhängige Anerkennung durch die staatlichen Aufsichtsbehörden nach der weltweit gültigen ISO 17025. Auch dieser Nachweis der korrekten Arbeitsweise eines Labors wird regelmäßig überwacht.

Vorteilhaft ist die internationale Präsenz von TÜV Rheinland mit einer Vielzahl von Akkreditierungen für Kunden auch bei der Produktprüfung im globalen Markt: TÜV Rheinland darf aufgrund der weltweiten Anerkennungen als Prüfdienstleiter arbeiten und kann damit die Kontrolle und Zertifizierung von Produkten aus einer Hand sicherstellen – und somit den Marktzugang in allen relevanten Hersteller- und Absatzmärkten.

Das Netzwerk von Prüflaboratorien des TÜV Rheinland umfasst unter anderem Labore zur Umweltanalytik und für Werkstofftechnik, für physikalische und chemische Produkt- und Komponentenprüfungen sowie für die Analyse von Lebensmitteln. Speziell für Fahrzeuguntersuchungen unterhält TÜV Rheinland fast 1.200 Prüfstationen in Chile, Deutschland, Frankreich, Lettland und Spanien sowie Testzentren für passive Sicherheit, Abgas- und Motorentechnik. Jährlich kontrolliert TÜV Rheinland die Sicherheit von rund 9 Millionen Fahrzeugen.

Kompetenzen

Grundlage der breiten Kompetenz des TÜV Rheinland sind eine hohe Qualifikation und die große Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu denen Ingenieurinnen und Ingenieure, Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler, Ärzte und Ärztinnen ebenso gehören wie Psychologinnen und Psychologen, Wirtschafts¬wissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler, Geologinnen und Geologen, Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler, Geographen und Geographinnen. Durch sein breites Aufgaben- und Kompetenzspektrum ist TÜV Rheinland in vielen Bereichen auch bei der Erforschung und Entwicklung neuer Technologien tätig, arbeitet selbst an der Entwicklung neuer Standards und Sicherheitsnormen mit und führt im Auftrag Dritter Forschungsvorhaben durch.

Projektbegleitung

Oftmals führt TÜV Rheinland nicht nur einzelne Prüfungen durch, sondern begleitet für Unternehmen Projekte über einen längeren Zeitraum. Dies gilt beispielsweise für die Überwachung bei Infrastruktur- und Industrieprojekten. Sei es bei der Schaffung von Telekommunikations- oder Energieinfrastruktur, bei industriellen Anlagen und Kraftwerken, Bahnstrecken oder Häfen, Wohnsiedlungen, Autobahnen oder Krankenhäusern: Bei solchen Projekten arbeiten die Fachleute von TÜV Rheinland begleitend in den verschiedenen Prozessschritten mit und über Fachgebiete hinweg.

Die Tätigkeit von TÜV Rheinland verändert sich etwa in der Arbeitsmedizin und der beruflichen Qualifikation: In der Arbeitsmedizin geht der Trend inzwischen über die einzelne medizinische Untersuchung hinaus in Richtung der gesunden Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsabläufen (betriebliches Gesundheitsmanagement). Bei den Angeboten der Akademie, die in der beruflichen Aus- und Weiterbildung tätig ist, bietet TÜV Rheinland nicht nur die einzelne Fortbildungsmaßnahme für Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, sondern begleitet auch die erforderliche Personalentwicklung eines Unternehmens umfassend.

Prüfzeichen

TÜV Rheinland prüft meist für Unternehmen oder Behörden und Organisationen. Für Verbraucher wird in solchen Fällen eine bestandene Prüfung bei TÜV Rheinland dann erkennbar, wenn eine Prüfplakette oder ein Prüfzeichen vergeben wird. Prüfzeichen werden in der Produktprüfung, bei einigen Prüfungen technischer Anlagen – wie Aufzügen, Rolltreppen oder Fahrgeschäften – sowie bei der Zertifizierung von Managementsystemen vergeben. Hierzu verfügt TÜV Rheinland über ein einheitliches Prüfzeichen. Zusätzlich vergibt TÜV Rheinland in der Produktprüfung das Prüfzeichen der 150 Jahre alten Traditionsmarke LGA, die seit 2005 zu TÜV Rheinland gehört. Darüber hinaus besitzt TÜV Rheinland die Anerkennung, Prüfzeichen zu vergeben, die gesetzlich verankert sind oder von anderen Organisationen entwickelt wurden. Dazu zählt beispielsweise das GS-Zeichen für die geprüfte Sicherheit von Produkten, das in Deutschland gesetzlich geregelt ist.

Das eigene Prüfzeichen des TÜV Rheinland hat eine einheitliche Gestaltung und klar geregelte Inhalte, die für größtmögliche Verständlichkeit und Transparenz bei Verbrauchern sorgen sollen: Über einheitliche Schlüsselbegriffe im Prüfzeichen wie „Sicherheit“ oder „Managementsystem ISO 9001:2015“ wird deutlich, was geprüft wurde. Dazu kommt ein so genannter QR-Code, der mit einer Online-Datenbank verknüpft ist, auf der weitergehende Informationen zum Prüfumfang hinterlegt sind. Drittens verfügt das Prüfzeichen über eine Ident-Nummer, über die der Prüfinhalt ebenfalls im Internet frei zugänglich unter www.certipedia.com abgerufen werden kann.

Technische Überwachung in Deutschland

TÜV Rheinland blickt auf eine lange Tradition zurück. In den vergangenen fast 150 Jahren hat sich aus einem regionalen Prüfverein ein internationaler Dienstleistungskonzern entwickelt. Erste gesetzliche Vorschriften zur technischen Sicherheit der entstehenden großen Dampfmaschinen und Industrieanlagen hatte es in Deutschland seit den 1830er Jahren gegeben. Die Rolle staatlicher Kontrollen war hierzulande größer als in England, da auch das Misstrauen gegenüber Industrieanlagen deutlich stärker ausgeprägt war. Die Aufsicht über die Kontrolle der Dampfkessel erhielten in Preußen und anderen deutschen Ländern zumeist Beamte, die hierfür jedoch nicht speziell qualifiziert waren.

Letztlich waren es die Betreiber der Dampfkessel selbst, die – ausgelöst durch immer wieder auftretende schwerwiegende Unglücke – seit 1865 Revisionsvereine schufen. Der Begriff Revision steht für Überprüfung. Als Selbsthilfeorganisation verfolgten die Vereine das Ziel, für mehr technische Sicherheit zu sorgen. Diese Vereine entstanden regional und basierten auf Grundlagen, die auch heute noch bedeutsam sind: periodische und unabhängige Überwachung durch speziell ausgebildete Ingenieure und kontinuierlicher Erfahrungsaustausch der Experten, um mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten.

1872 war das Geburtsjahr des „Vereins zur Überwachung der Dampfkessel in den Kreisen Elberfeld und Barmen“, aus dem TÜV Rheinland hervorgegangen ist. 1872 wurde im jungen deutschen Kaiserreich aber auch die Regelung eingeführt, dass Dampfkesselbetreiber von einer staatlichen Überwachung und Kontrolle der Anlagen befreit werden konnten, wenn sie Mitglied in einem der vom Staat beliehenen Überwachungsvereine waren und ihre Anlagen von diesem kontrollieren ließen. Beleihung durch den Staat bedeutet: Bei der Erfüllung staatlicher Aufgaben kann es sinnvoll sein, speziellen Sachverstand oder bereits vorhandene private Organisationen zu nutzen und mit der Durchführung staatlicher Aufgaben zu beleihen. In dem entsprechenden Gesetz von 1872 heißt es: „Dampfkessel, deren Besitzer Vereinen angehören, welche eine regelmäßige und sorgfältige Überwachung der Kessel vornehmen lassen, können von der amtlichen Revision befreit werden.“ Das gab der Idee der Dampfkessel-Revisionsvereine und der späteren technischen Überwachungsvereine in Deutschland einen entscheidenden Anschub.

Das System, das entstand, beruht auf der sehr hohen persönlichen Qualifikation des jeweiligen Prüfers und seiner Unabhängigkeit. Die unabhängigen Vereine übernahmen die Aufgabe der Überprüfung von Dampf- und Druckanlagen erfolgreich. Die Sicherheit der Anlagen wurde auf diesem Weg erhöht, ohne dass eine staatliche Behörde dies sicherstellen musste.1879 gab es in Deutschland 78 Verunglückte bei Kesselexplosionen, zwanzig Jahre später noch 35, obwohl sich die Zahl der Anlagen mehr als verdoppelt hatte.

Neben dem Ziel der technischen Sicherheit ist ein weiterer Vorteil der Organisation mit technischen Überwachungsvereinen, dass Behörden entlastet werden. Für die Prüfungen müssen keine Steuergelder eingesetzt werden, sondern die Wirtschaft trägt die Kosten der Tätigkeit von TÜV Rheinland selbst. Die Unabhängigkeit der Prüfung wird wiederum unter anderem durch die Organisationsform und die staatliche Aufsicht über die Prüfer sichergestellt.

Unabhängigkeit

Seit Gründung von TÜV Rheinland haben Industrialisierung, Mobilität, Internationalisierung und Digitalisierung das Wirtschaftsleben und den Alltag der Menschen vollständig verändert. Jedoch sind ebenso wie die Ziele im Leitbild von TÜV Rheinland auch die wesentlichen Grundlagen der Prüfungen des Unternehmens seit fast 150 Jahren die gleichen: die hohe Kompetenz und gute Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Unabhängigkeit in ihrer Tätigkeit. Menschen oder Unternehmen bezahlen für die Prüfleistung des TÜV Rheinland, das Ergebnis der Prüfung ist jedoch offen und nicht käuflich – bei der Führerschein- oder Fahrzeugprüfung ebenso wenig wie bei der Produktprüfung oder der Kontrolle einer Industrieanlage.

Neben der wirtschaftlichen Unabhängigkeit ist aus Sicht staatlicher Behörden auch die fachliche Unabhängigkeit äußerst wichtig. Beides wird durch ein Kontrollsystem sichergestellt, das in Deutschland und darüber hinaus für die technische Überwachung etabliert ist. So wird TÜV Rheinland auf vielfache Weise durch staatliche Behörden und durch andere Organisationen überwacht, damit die gleichbleibende Qualität und Unabhängigkeit der Arbeit garantiert sind. Um anerkannte Prüfungen durchführen zu dürfen, muss TÜV Rheinland zunächst selbst von den zuständigen Behörden anerkannt werden (Akkreditierung). Je nach Art der Prüfung wird TÜV Rheinland beispielsweise in Deutschland von Landes- und Bundesbehörden kontrolliert, gleiches gilt entsprechend in allen Ländern. Insgesamt besitzt TÜV Rheinland weltweit mehr als 750 Akkreditierungen, also verschiedene staatliche Anerkennungen zum Prüfen.

Unternehmensorganisation

Keimzelle des weltweit tätigen Prüfunternehmens ist ein Verein, der heutige TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz e.V. Als nicht auf Gewinn zielende Non-Profit-Organisation war und ist er Träger nahezu aller staatlichen Beleihungen. Er hat die wesentlichen operativen Prüftätigkeiten in Tochterunternehmen ausgegliedert, die er über die 1993 gegründete TÜV Rheinland Aktiengesellschaft zusammenfasst. Der Verein ist alleiniger Aktionär dieser Gesellschaft. Gemeinsam mit der TÜV Rheinland Stiftung, die sich in gesellschaftlichen Fragen engagiert, bilden Verein und Aktiengesellschaft die TÜV Rheinland Group oder vereinfacht ausgedrückt TÜV Rheinland.

Gemäß seiner Satzung ist der TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz e.V. unabhängig. Vereinszweck ist die neutrale Beratung, Begutachtung, Prüfung und Überwachung in der Sicherheits- und Verkehrstechnik, der Energietechnik und im Umweltschutz. Die Prüftätigkeit wird durch die TÜV Rheinland AG und ihre Gesellschaften durchgeführt. Da der Verein als Aktionär keine Gewinnerzielungsabsicht verfolgt, gibt es den Druck eines Shareholder-Value-Denkens nicht. Die Gewinne der Tochtergesellschaften kommen der Sicherung und Weiterentwicklung des Vereinszwecks in vollem Umfang zugute. Diese Organisationsform ist eine wichtige Voraussetzung für die unabhängige Prüfarbeit von TÜV Rheinland.

Verein

Der TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz e.V. wird überwiegend von Industrie- und Wirtschaftsunternehmen getragen. Der Verein ist alleiniger Aktionär der TÜV Rheinland AG, die das Prüfgeschäft des Konzerns führt. Mitglieder des Vereins, zu denen kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie Großunternehmen gehören, tragen ideell den Grundgedanken der Verbesserung technischer Sicherheit von Anlagen und Produkten durch eine unabhängige zusätzliche Kontrolle, wie sie die Prüfgesellschaften von TÜV Rheinland vornehmen.

Eine wichtige Rolle spielt der Verein aus Sicht der staatlichen Behörden insbesondere in der Kraftfahrzeug- und der Führerscheinprüfung, denn der Verein ist mit der Durchführung der Prüfungen vom Staat beliehen worden. Der Verein wiederum hat verschiedene Gesellschaften mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben beauftragt. Die Mitglieder des Vereins haben keinerlei Einfluss auf das tägliche Prüfgeschäft der TÜV Rheinland AG, sie haben keine finanziellen Beteiligungen oder Gewinnbeteiligungen oder andere unmittelbare finanzielle Vorteile durch ihre Mitgliedschaft.

Stand: April 2020