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Prüfung von Sozialstandards

Prüfung von Sozialstandards

Prüfung von Sozialstandards in der Industrie

Seit 2002 führt TÜV Rheinland als weltweit tätiger unabhängiger Prüfdienstleister in verschiedenen Ländern die Überprüfung von Sozialstandards in der Produktion und Industrie durch. Die Kontrollen finden durch ausgebildete Auditoren nach verschiedenen Standards und Verhaltenskodizes statt, für deren Überprüfung TÜV Rheinland zugelassen ist. Schwerpunktländer der Audits sind insbesondere Schwellenländer wie unter anderem Bangladesch, China, Indien sowie weitere südostasiatische Regionen.

Ziel der Audits ist es, grundlegende Sozialstandards in der globalen Lieferkette bei der Fertigung von Waren sicherzustellen und deren Einhaltung zu überwachen. Anerkannte Standards, nach denen TÜV Rheinland prüft, sind beispielsweise der Standard SA 8000 des Social Accountability Institute (USA), der Standard der Amfori Business Social Compliance Initiative (Amfori BSCI) sowie Sedex Members' Ethical Trade Audits (SMETA). In einzelnen Branchen sind zudem vergleichbare Standards etabliert, für deren Auditierung TÜV Rheinland ebenfalls zugelassen ist. Dazu zählen der Standard Worldwide Responsible Accredited Production (WRAP) in der Textilbranche oder der Standard der Pharmaceutical Supply Chain Initiative (PSCI) in der pharmazeutischen Industrie. Zulieferer der Elektro-Industrie prüft TÜV Rheinland nach dem Responsible Business Alliance Standard (RBA).

Derzeit hat TÜV Rheinland nach solchen Sozialstandards weltweit bereits einige tausend Unternehmen auditiert. Wichtigstes Ziel dieser Audits ist es, dem auditierten Unternehmen eindeutig aufzuzeigen, wo Potenziale zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen liegen.

Kriterien der Sozialstandards

Zentrale Kategorien der verschiedenen Sozialstandards orientieren sich generell an der Einhaltung des lokal geltenden Rechts sowie grundlegenden Forderungen der Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen ILO. So beinhaltet der Standard SA 8000 beispielsweise folgende Kategorien:

  • Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit,
  • Verbot von Rassen-, Geschlechts- und Religionsdiskriminierung,
  • Recht auf Vereinigungsfreiheit, auf Organisation in Gewerkschaften und kollektive Lohnverhandlungen,
  • Festlegung der Höchstarbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche, mit einem freien Tag,
  • Garantie von Existenz sichernden Löhnen,
  • Einforderung und Einführung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen,
  • Systematische Verbesserung der Bedingungen im Betrieb,
  • Dokumentation durch Zertifizierung nach außen.

In Übereinstimmung mit den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation fordert der Amfori BSCI-Verhaltenskodex:

  • Einhaltung der national gültigen Gesetze,
  • Versammlungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen,
  • Verbot jeglicher Diskriminierung,
  • Einhaltung der gesetzlichen Mindestlöhne und Sicherung des Lebensunterhalts,
  • Festlegung der Höchstarbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche und Begrenzung der Überstunden,
  • Klare Regeln und Verfahren für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz,
  • Verbot von Kinderarbeit,
  • Verbot von Zwangsarbeit und Disziplinarmaßnahmen,
  • Einhaltung der Mindestanforderungen für die Abfallbewirtschaftung, für Emissionen und für die Abwasserbehandlung,
  • Einhaltung der Mindestanforderungen für den Umgang mit Chemikalien und anderen gefährlichen Stoffen.

Audits: Dauer und Ablauf

Der generelle Ablauf der Audits ist vergleichbar mit dem in der Überprüfung von Managementsystemen, allerdings liegt bei den Sozialaudits das Augenmerk mehr auf der Einhaltung von Vorschriften und Regelungen als auf der Organisation und Prozessen im Unternehmen. Die Vorgaben zum Ablauf der Audits, Erstellung von Auditberichten und Dokumentation werden nicht von TÜV Rheinland definiert, sondern ergeben sich aus den Vorgaben des jeweiligen Standards und der Verhaltenskodizes.

Die Audits werden je nach Vorgabe in der Regel in einem ein- bis zweijährigen Rhythmus wiederholt. Die Auditoren des TÜV Rheinland arbeiten dabei beispielsweise im Auftrag des Fabrikbetreibers, eines Herstellers oder Handelsunternehmens. Sie nehmen keine behördliche, polizeiliche oder staatliche Aufsichtspflicht wahr. Diese obliegt selbstverständlich den Behörden der jeweiligen Länder, in denen die Produktion besteht. Die Neutralität der Auditoren ist durch die Einbindung von TÜV Rheinland sowie der Auditoren in die nationalen und internationalen Akkreditierungssysteme gewährleistet. Dies umfasst auch regelmäßige unabhängige Kontrollen der Tätigkeit von TÜV Rheinland und seiner Auditoren durch Akkreditierer, Standard gebende Organisation und nationale Aufsichtsbehörden.

Auch die Auditoren selbst sind in ein Qualitäts- und Kontrollsystem eingebunden. TÜV Rheinland beschäftigt nur Auditoren mit eingehender Berufserfahrung, die über entsprechende Kenntnisse der Auditierung von Sozialstandards und häufig auch von Managementsystemen verfügen. Zudem durchlaufen die Auditoren zunächst eine spezielle Ausbildung, die die jeweiligen Standards betrifft und die beispielsweise beim Amfori BSCI-Verhaltenskodex eine Woche umfasst. Darüber hinaus hospitieren neue TÜV Rheinland-Auditoren nach diesem Training zunächst bei Audits von sehr erfahrenen Experten. Schließlich sind sie zu regelmäßigen Fortbildungen sowie einem systematischen Erfahrungsaustausch zwischen den Auditoren verpflichtet. Darüber hinaus finden regelmäßige Monitorings durch die Führungskräfte im Rahmen der Audittätigkeit statt.

Stets gilt in der täglichen Arbeit, dass die Auditergebnisse und die Arbeit von Auditoren nicht nur im Rahmen des internen Qualitätsmanagements bei TÜV Rheinland, sondern auch extern durch die Standard gebende Organisation oder den Akkreditierer überprüft werden.

Die Dauer der Audits durch TÜV Rheinland oder ein anderes anerkanntes Prüfunternehmen richtet sich nach den Vorgaben des jeweiligen Standards. In der Regel basiert die Festlegung der Zeit für das Audit vor Ort in einer Produktions-stätte auf der Größe, Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Art und Komplexität der Produktionsabläufe. Bei großen Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dauert ein Audit bis zu fünf Werktage, bei kleinen Unternehmen i.d.R. mindestens anderthalb Werktage.

Die Vorbereitung auf diese Audits nimmt allerdings oftmals weitaus mehr Zeit in Anspruch. Häufig wird bereits im Vorfeld eines Audits ein Self-Assessment von dem Unternehmen durchgeführt. Erforderlich ist auch eine Einverständnis¬erklärung, dass TÜV Rheinland Fotos in der Produktionsstätte aufnehmen und unbeeinflusst Einsicht in relevante interne Unterlagen nehmen darf sowie vertrauliche Interviews mit den Mitarbeitern führen kann.

Das eigentliche Audit führt TÜV Rheinland vor Ort in der Produktionsstätte durch. Dabei stellen die Auditoren fest, ob sich das Werk beispielsweise an die Richtlinien des vorgegebenen Verhaltenskodexes hält und überprüfen, ob es Lücken hinsichtlich der Anforderungen des Sozialstandards gibt. Das Audit beginnt mit einer Eingangsbesprechung, in der Ziel und Ablauf der Prüfung erläutert werden.

Anschließend inspizieren die Prüfer das Werk, einschließlich des Produktionsbereichs oder Sozialbereiche wie Schlafsälen und der Kantine. Hierbei handelt es sich um eine reine Begehung beispielsweise im Hinblick auf menschenwürdige Arbeitsplatzgestaltung, Brandschutzanlagen oder Hygiene. Bautechnische Kontrollen, Kontrollen der Gebäudestatik, sind kein Bestandteil der Audits. Bei offensichtlichen Mängeln informieren die Auditoren jedoch selbstverständlich unverzüglich Betreiber und Auftraggeber.

Als weiterer Bestandteil befragen die Auditoren Führungskräfte und Mitarbeiter und überprüfen die Dokumentationen – unter anderem, ob die Betriebsgenehmigungen durch die lokalen Behörden vorliegen –, mit denen die Einhaltung der Kriterien belegt werden muss. Die vertraulichen Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen die Prüfer einzeln, aber auch in Gruppen durch. Die Auswahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit denen die Auditoren sprechen, erfolgt auf Vorschlag der Auditoren, wobei die Beschäftigten selbstverständlich ihr Einverständnis geben müssen.

Ergebnisse und Dokumentation

Die Ergebnisse des Audits werden in einem Auditbericht entsprechend der Vorgaben durch den Standardhalter von TÜV Rheinland zusammengefasst, dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt und – je nach Auditsystem – auch der jeweiligen Standardorganisation übergeben. So umfasst eine Amfori BSCI-Auditierung, dass die Prüfresultate in die Amfori BSCI-Datenbank einfließen, damit andere Amfori BSCI-Mitglieder sehen können, welche Unternehmen erfolgreich das Amfori BSCI-Audit durchlaufen haben.

Die festgestellten Mängel bewertet TÜV Rheinland in ihrer Schwere. So gibt es bestimmte K.O.-Kriterien, die dazu führen, dass eine Überprüfung nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann. Dazu zählen grobe Verstöße gegen die grund-legenden Regeln der ILO wie beispielsweise Zwangsarbeit oder Kinderarbeit oder auch, dass die Auditoren feststellen, dass in kritischen Punkten falsche Angaben gemacht wurden.

Bei geringeren Mängeln werden diese im Auditbericht dokumentiert und müssen in einem festgelegten Zeitrahmen, spätestens bis zum nächsten Audit, beseitigt sein.

Social Audits können Missstände aufdecken und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen. Social-Audit-Dienstleistungen sind daher grundsätzlich geeignet, einen positiven Beitrag zur Wahrung von Menschenrechten zu leisten. Insbesondere sind Social-Audit-Dienstleistungen grundsätzlich geeignet, zur Verbesserung der Situation von Kindern und Frauen sowie zur Bekämpfung von Zwangsarbeit in Lieferketten beizutragen sowie einen positiven Beitrag zur Vereinigungsfreiheit in den untersuchten Unternehmen zu leisten.

Die Durchführung von Social Audits ist nur der erste Schritt zu einem Schutz von Menschenrechten. Für die Behebung der durch Audits festgestellten Defizite sind die auftraggebenden Unternehmen und die auditierten Produktionsstätten verantwortlich.