TÜV Rheinland zertifiziert sichere Entwicklung KI-basierter Fahrzeugsysteme
Köln | 27.08.2026
ISO/PAS 8800 ergänzt bestehende Standards der funktionalen Sicherheit um KI-spezifische Anforderungen / Erste Zertifizierung belegt praktische Anwendbarkeit in der Automobilindustrie
TÜV Rheinland hat erstmals eine Zertifizierung nach ISO/PAS 8800 durchgeführt und damit nachgewiesen, dass sich die Norm für die sichere Entwicklung KI-basierter Fahrzeugsysteme praktisch anwenden lässt. Zertifiziert wurden die Managementprozesse des Produktentwicklungs- und Forschungszentrums des staatlichen chinesischen Automobilkonzerns Dongfeng Motor Corporation.
Die internationale Norm ISO/PAS 8800 ergänzt bestehende Sicherheitsstandards der Automobilindustrie um Anforderungen speziell für Künstliche Intelligenz. Sie schafft einen strukturierten Rahmen, um sicherheitsrelevante KI-Systeme im automobilen Entwicklungs- und Sicherheitslebenszyklus zu analysieren und abzusichern.
ISO/PAS 8800 schließt eine wichtige Lücke in der automobilen Sicherheit: Bei KI-Systemen reicht es nicht aus, nur die Software selbst zu bewerten. Auch Datensätze, Modelle, Trainingsprozesse und das Verhalten im Betrieb können sicherheitsrelevant sein. Damit ergänzt die Norm etablierte Standards wie ISO 26262 (Funktionale Sicherheit), die die spezifischen Anforderungen von KI nicht vollständig berücksichtigen.
Mehr Sicherheit bei Entwicklung KI-basierter Fahrzeugfunktionen
Für Hersteller und andere Akteure in der Automobilindustrie bedeutet dies vor allem mehr Sicherheit bei der Entwicklung, Validierung und Absicherung KI-basierter Fahrzeugfunktionen. Risiken, die etwa aus ungeeigneten Trainingsdaten, unerwartetem Verhalten in neuen Situationen oder Veränderungen im realen Einsatz entstehen, lassen sich dadurch früher erkennen und besser beherrschen. Ein strukturierter Nachweis nach ISO/PAS 8800 kann zudem auch für Fahrzeugtypprüfung und Produkthaftung relevant sein.
TÜV Rheinland bietet unabhängige Audits für Managementsysteme zur funktionalen Sicherheit von KI-Systemen in der Automobilbranche an. Die Audits nach ISO/PAS 8800 lassen sich mit weiteren für die Branche wichtigen Audits kombinieren, etwa nach ISO 26262 (Funktionale Sicherheit) und ISO 21448 (SOTIF). Unternehmen erhalten so ein aufeinander abgestimmtes Angebot aus Managementsystem-Audits, Prozessbewertungen und Konformitätsbewertungen. Ergänzend bietet TÜV Rheinland auch Produktzertifizierungen sowie Trainings für Entwickler im Bereich sicherheitsrelevanter Systeme an.
Umfassender Sicherheitsnachweis im Mittelpunkt
Bei KI-Software steht ein umfassender Sicherheitsnachweis im Mittelpunkt. Dieser muss durch Belege aus Datensätzen, Modellen, Tests und der Betriebsüberwachung gestützt werden. „Mit ISO/PAS 8800 können sicherheitsrelevante KI-basierte Fahrzeugsysteme erstmals in einem strukturierten und nachvollziehbaren Rahmen auf funktionale Sicherheit geprüft werden. Das schafft mehr Klarheit für Hersteller und stärkt die systematische Absicherung sicherheitsrelevanter Fahrzeugfunktionen“, sagt Stefan Goi, lokaler Geschäftsfeldleiter Funktionale Sicherheit Automotive bei TÜV Rheinland.
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