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Geschäftsjahr 2019: TÜV Rheinland setzt stabiles Wachstum fort

27.04.2020Köln

Infografik Geschäftsjahr 2019

TÜV Rheinland ist im Geschäftsjahr 2019 weiter gewachsen: Der Umsatz des international tätigen Prüfdienstleisters kletterte erstmals über die 2-Milliarden-Grenze und lag im vergangenen Jahr bei 2,085 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 87 Millionen Euro oder 4,4 Prozent. Das Ergebnis (EBIT) lag mit 135,6 Millionen Euro etwas niedriger als im Jahr 2018 (137,5 Millionen Euro). Die EBIT-Rendite betrug im vergangenen Geschäftsjahr 6,5 Prozent. Gestiegen ist die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit: Sie erreichte im Jahresdurchschnitt 2019 genau 21.441 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – umgerechnet auf Vollzeitstellen. Das sind 991 oder 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Investitionsvolumen lag bei 70 Millionen Euro.

„Wir sind mit unserem Umsatzwachstum insgesamt zufrieden. In den vergangenen Jahren haben wir Umsatz und Ergebnis jeweils steigern können. Das ist auch für die kommenden Jahre nach Überwindung der Corona-Krise unser Ziel“, so der Vorstandsvorsitzende der TÜV Rheinland AG Dr.-Ing. Michael Fübi bei Vorstellung der Bilanz. Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Pandemie zeigt sich Dr. Fübi nur mittelfristig zuversichtlich: TÜV Rheinland sei momentan von den Auswirkungen der Corona-Krise in verschiedenen Ländern negativ betroffen. Und zwar nicht mehr nur in dem Fall, wenn eine Leistungserbringung nicht möglich ist – beispielsweise bei der Durchführung von Präsenzseminaren in der Akademie in Deutschland oder bei der Fahrzeugprüfung in Spanien. Inzwischen sind Kunden in nahezu allen Ländern und Branchen von den Folgen der Pandemie stark betroffen, so dass insgesamt ein Umsatzrückgang zu erwarten sei. In Deutschland nutzt das Unternehmen deshalb in einigen Bereichen das Instrument der Kurzarbeit.

Mittelfristig sieht sich TÜV Rheinland sehr gut aufgestellt. Dr. Fübi: „Unser Geschäftsmodell ist und bleibt überzeugend: Wir als TÜV Rheinland sind Garant für Qualität und Sicherheit. Sicherheitsrelevante Prüfungen für einige Wochen auszusetzen ist nachvollziehbar und vertretbar. Dauerhaft auf die Prüfung von Industrieanlagen oder Kraftwerken, von Fahrzeugen, IT-Infrastruktur oder Aufzügen zu verzichten, geht nicht. Viele unserer Dienstleistungen sind relevant für unser Leben und unsere Wirtschaft. Daran ändert sich durch die jetzige Krise nichts.“

Infografik EBIT und EBIT-Rendite

Finanzlage und Investitionen

Das Eigenkapital von TÜV Rheinland erhöhte sich 2019 um 5,3 Millionen Euro von 412,2 Millionen Euro auf 417,5 Millionen Euro. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug 2019 – nach 183 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018 – 221,1 Millionen Euro.

Die Investitionen lagen ohne Unternehmensakquisitionen 2019 bei 70 Millionen Euro. Schwerpunkte der Investitionen waren verschiedene Software- und Digitalisierungsprojekte, der Ausbau von Prüfkapazitäten sowie der Ausbau und die Modernisierung von Prüflaboren. Mehr als 11 Millionen Euro hat TÜV Rheinland in die weltweite Ausstattung im Bereich Wireless investiert.

Infografik Umsatz in Millionen Euro

Entwicklung in Deutschland und international

Der deutsche Heimatmarkt machte 2019 einen Umsatzanteil von 53,4 Prozent am Gesamtumsatz von TÜV Rheinland aus, die anderen Regionen steuerten entsprechend 46,6 Prozent bei. Der Umsatz in Deutschland stieg um 4 Millionen Euro und lag 2019 bei 1,113 Milliarden Euro. Außerhalb Deutschland hat sich der Umsatz 2019 etwas stärker entwickelt als in den Vorjahren: Er erreichte 972 Millionen Euro im Vergleich zu 889 Millionen Euro im Jahr 2018. Den größten Anteil des internationalen Geschäfts macht unverändert die Region Greater China aus, die rund 17 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns beisteuert. Besonders stark steigern konnte 2019 erneut die Region Indien, Naher Osten, Afrika ihren Umsatz.

Auch bei Mitarbeitenden spiegelt sich die Internationalität des Unternehmens wider: 2019 waren 57,5 Prozent der 21.441 Beschäftigten außerhalb Deutschlands tätig. In Deutschland hatte TÜV Rheinland 2019 im Jahresdurchschnitt umgerechnet auf Vollzeitstellen 9.082 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, knapp 290 mehr als im Vorjahr. Außerhalb Deutschlands stieg die Anzahl der Mitarbeiter um mehr 700 auf nun 12.359.

Infografik Umsatzanteile nach Geschäftsbereichen

Entwicklung der Geschäftsbereiche

TÜV Rheinland hat sein weltweites Prüf- und Zertifizierungsgeschäft seit Beginn dieses Jahres in fünf Geschäftsbereichen organisiert. Das Cybersecurity-Geschäft, das im früheren Geschäftsbereich Digital Transformation & Cybersecurity geführt wurde, ist jetzt in den Geschäftsbereich Industrie Service integriert. Der Hintergrund: Insbesondere vernetzte Produktionsanlagen sind immer häufiger Ziel von Angriffen, mit oft schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen. In der neuen Struktur verbindet TÜV Rheinland noch effizienter die Expertise für die funktionale Sicherheit von Industrieanlagen mit dem Know-how der mehr als 600 Cybersecurity-Fachleute weltweit. 2019 lieferte dieser neu zu geschnittene Geschäftsbereich mit rund 597,5 Millionen Euro und einem Umsatzplus von gut 32 Millionen Euro den größten Beitrag zum Gesamtumsatz von TÜV Rheinland. Erfreulich entwickelt hat sich beispielsweise das Geschäft mit der Inspektion von Industrieanlagen. Ebenfalls deutlich mehr Umsatz konnte TÜV Rheinland bei der Überprüfung und Zertifizierung von Elektro- und Gebäudetechnik erzielen. International kamen Wachstumsimpulse insbesondere aus den Regionen Greater China und Asien-Pazifik.

Im Geschäftsbereich Mobilität stieg der Umsatz 2019 um gut 27 Millionen Euro auf 558,9 Millionen Euro. Fahrzeuguntersuchungen nimmt TÜV Rheinland in Deutschland, Frankreich, Spanien, Lettland und Chile ab. In Spanien hat das Unternehmen durch die Übernahme von Certio im Sommer 2019 das Netz an Fahrzeugprüfstellen deutlich erweitern – um zwölf Prüfstellen in Katalonien und auf Menorca.

Erneut gut war die Umsatzentwicklung 2019 im zweitgrößten Geschäftsbereich der Produktprüfung. Hier betrug der Umsatz 570,1 Millionen Euro – ein Umsatzanstieg von 5,5 Prozent oder knapp 30 Millionen Euro. Die Steigerung geht unter anderem auf die sehr gute Umsatzentwicklung in China und der Region Asien-Pazifik zurück.

Der Geschäftsbereich Academy & Life Care umfasst nach einer internen Umstrukturierung auch die Begleitung von Unternehmen und Organisationen in die digitale Zukunft – Stichwort Digital Transformation. Nach altem Zuschnitt legte der Umsatz 2019 um knapp 24 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro zu, im neuen Zuschnitt erwirtschaftete der Geschäftsbereich insgesamt einen Umsatz von 298,3 Millionen Euro. Erneut stark gewachsen ist das Aus- und Weiterbildungsgeschäft in Deutschland.

Der Geschäftsbereich Systeme mit der Zertifizierung von Managementsystemen konnte den Umsatz 2019 um 4,2 Prozent auf nun 221,1 Millionen Euro steigern. Gut entwickelte sich hier das Geschäft der Audits von Zulieferunternehmen im Auftrag von Großkunden, die sogenannten „Supply Chain Audits“. Dies ist auch eines unserer strategischen Wachstumsfelder von TÜV Rheinland.

Umfrage Civey Stellenwert von Sicherheit

Stellenwert von Sicherheit im Alltag wächst

Wie stark sich die Corona-Pandemie auf das Geschäft von TÜV Rheinland im Jahr 2020 auswirken wird, lässt sich aktuell noch nicht genau beziffern. Zwei für TÜV Rheinland wichtige Trends sind absehbar. So wird die Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft durch die aktuelle Pandemie international erheblich vorangetrieben. TÜV Rheinland hat bereits in den vergangenen Jahren stark in die Digitalisierung investiert und insbesondere Leistungen und Lösungen für Unternehmen und Kunden entwickelt. Weitere 15 Millionen Euro an Investitionen gingen 2019 in Zukunfts- und Digitalisierungsthemen, insbesondere in die Umstellung auf One SAP on HANA, das der größte IT-Projekt der vergangenen Jahrzehnte.

Erheblich waren auch die Investitionen in eine neue digitale Kundenplattform für Kunden im Geschäftsbereich Produkte. Der Bereich der beruflichen Qualifikationen, Fortbildungen und Seminare wird verstärkt in E-Learning-Kursen oder in der „virtuellen Akademie“ von TÜV Rheinland abgewickelt. Für Audits und anstehende Prüfungen hat TÜV Rheinland, wo es möglich ist und in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden und Kunden, Remote-Audits entwickelt und führt diese durch. Der Grund für diese Maßnahmen: TÜV Rheinland geht davon aus, dass bestimmte Bereiche des Arbeitens und Wirtschaftens dauerhaft durch die Corona-Pandemie verändert werden, es kein Zurück zur alten „Normalität“ gibt.

Eine weitere Auswirkung der Corona-Krise sieht Dr.-Ing. Michael Fübi in der Wahrnehmung von Sicherheit: „Ich bin davon überzeugt, dass Sicherheit als Grundbedürfnis der Menschen bestehen bleibt. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sich unser Blick auf Sicherheit verändert. Was meine ich damit? Womöglich setzt sich nach der Krise jede und jeder Einzelne im Alltag mehr als zuvor unsere TÜV-Brille auf. Anders gesagt: Die Sensibilisierung für Gesundheit und Sicherheit im Alltag steigt durch die Krise.“

Bestätigt wird diese Einschätzung durch eine aktuelle repräsentative Umfrage von Civey: Das Berliner Meinungsforschungsinstitut hat Mitte April 2020 im Auftrag von TÜV Rheinland 2.500 Menschen in Deutschland gefragt, wie sich der Stellenwert von unabhängig geprüfter Sicherheit durch die Corona-Pandemie für sie persönlich verändert. 26,9 Prozent der Befragten geben an, dass der Stellenwert von Sicherheit für sie gestiegen ist, für knapp 62 Prozent ist er unverändert, für 11,2 Prozent ist er (eher) gesunken.

Infografik 10-Jahres Umsatz

Nachhaltigkeit bleibt als globale Herausforderung

Mittelfristig geht TÜV Rheinland zudem davon aus, dass andere globale Entwicklungen wieder stärker in den Fokus rücken, die aktuell etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt sind. Hierzu gehört insbesondere das große Themenfeld der Nachhaltigkeit. Dr. Fübi: „Nachhaltigkeit ist weit mehr als die Themen Klima und Erderwärmung, auch wenn die Klimakrise aufgrund von Corona nicht verschwinden wird. Vor allem nachhaltige Lieferketten sind Voraussetzung für eine veränderte nachhaltige Wirtschaft. Der massive Einbruch der Weltwirtschaft wird voraussichtlich mehr als hundert Millionen Arbeitsplätze weltweit kosten. Vor diesem Hintergrund wird es sehr wichtig sein, Nachhaltigkeit zu fördern, wenn gleichzeitig Millionen neue Arbeitsplätze gerade auch in Schwellenländern entstehen müssen. Der Erhalt der Ökosysteme bleibt eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Unsere Branche der Prüfdienstleister, die TIC-Branche, ist gefordert, hierbei ihren Beitrag zu leisten. Genau das entspricht unserem Leitbild: Wir sind der Überzeugung, dass gesellschaftlicher und technischer Fortschritt untrennbar miteinander verbunden sind und dass Technik dem Menschen nutzen muss. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist Sicherheit, für die TÜV Rheinland heute steht und auch in Zukunft stehen wird.“

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