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TÜV Rheinland-Studie zur Sicherheit autonomer Fahrzeuge: Fahrer wollen jederzeit eingreifen können

15.02.2018Köln

Marktstudie Autonomes Fahren

Wie schätzen Autofahrer die Sicherheit autonomer Fahrzeuge ein? Das wollte TÜV Rheinland wissen und befragte jeweils rund 1.000 Personen ab 18 Jahren mit einem Führerschein in China, Deutschland und den USA. Das Ergebnis: Das Vertrauen in vollkommen autonom fahrende Autos ist in China erheblich höher als in den anderen beiden Ländern. 63 Prozent der Befragten in China glauben, dass durch fahrerlose Autos die Verkehrssicherheit steigt, in den USA und Deutschland sind es lediglich 34 Prozent. Aber generell gilt: Damit sie autonomen Fahrzeugen vertrauen können, wünschen sich die Befragten in allen drei Ländern die Gewährleistung des Datenschutzes, den Schutz des Fahrzeuges vor Cyber-Angriffen und die freie Entscheidung, selbst oder autonom fahren zu können. Die unabhängige, repräsentative Studie erstellte TÜV Rheinland im September 2017 auf Basis von Online-Befragungen in den drei Ländern.

Befragte sind überzeugt: Automatisiertes Fahren erhöht Sicherheit

Insgesamt wird die Automatisierung des Fahrens eine Verbesserung der Verkehrssicherheit bringen, so die Einschätzung der Befragten – in China glauben dies mehr Befragte als in Deutschland und den USA. Mit fortschreitendem Automatisierungsgrad des Fahrzeugs steigen jedoch die Zweifel und das Vertrauen in die Technik sinkt. So geben zunächst nur 11 Prozent der Befragten in Deutschland und 15 Prozent in den USA an, dass sie durch eine Teilautomatisierung eine Verschlechterung der Verkehrssicherheit befürchten. Bei fahrerlosen Autos hingegen glauben fast die Hälfte der Befragten in Deutschland und den USA, dass sich die Verkehrssicherheit verschlechtert. In China erwarten dagegen nur 24 Prozent bei fahrerlosen Autos eine sinkende Verkehrssicherheit.

„Die Überzeugung der Autofahrer in China, Deutschland und den USA, dass mit zunehmender Automatisierung die Verkehrssicherheit abnimmt, zeigt: Wir müssen gegenüber den Menschen noch viel stärker informieren und die Vorteile von mehr Technik auch eindeutig vermitteln“, sagt Dr. Matthias Schubert, Executive Vice President Mobilität TÜV Rheinland. Die Ergebnisse der internationalen Studie bestätigen auch den Trend einer repräsentativen Befragung von TÜV Rheinland aus dem Frühjahr 2017 zur Akzeptanz autonomen Fahrens in Deutschland: Diese Studie hatte gezeigt, dass drei von vier Befragten die Technik grundsätzlich positiv sehen, aber im Detail noch viele Vorbehalte bei der technischen Umsetzung bestehen.

In der aktuellen Studie sind sich ferner 78 Prozent aller Befragten einig, dass es dem Menschen durchgängig möglich sein muss, im Notfall jederzeit selbst das Steuer übernehmen zu können – in Deutschland und den USA gilt dies stärker als in China.

Cyber-Schutz als wichtiger Aspekt für Vertrauen in Technik

Weit verbreitet ist die Angst vor Cyber-Kriminalität bei autonomen Fahrzeugen – in Deutschland am stärksten. Persönliche Daten können bei der Nutzung autonomer Fahrzeuge in unbefugte Hände gelangen, das meinen in Deutschland 76, in den USA 67 und in China 63 Prozent. In allen drei Ländern befürchten die Befragten gleichermaßen, dass bei autonomen Autos die Fahrzeugkriminalität durch Zugriff auf den Wagen von außen und Datendiebstahl zunehmen könnten – in den USA mit 52 Prozent Zustimmung etwas stärker als in den anderen beiden Ländern.

Ein Großteil der Befragten findet es gut, dass die Systeme künftiger Autos regelmäßig automatisch aktualisiert werden, um die Sicherheit im Straßenverkehr und gegen Fremdangriffe zu gewährleisten. In China befürworten solche sogenannten Over-the-Air-Updates 80 Prozent, in den USA 68 Prozent und in Deutschland 64 Prozent.

Darüber hinaus ist der Cyber-Schutz den Autofahrern in allen drei Ländern so wichtig, dass die Mehrheit (Deutschland 66 %, USA 61 %, China 60 %) die Automarke im Fall von bekannt gewordenen Hackerangriffen wechseln würde. In China vertrauen die Menschen am häufigsten auf die Kompetenzen der Hersteller, autonome Fahrzeuge zu entwickeln, die vor unbefugtem Zugriff geschützt sind (71 %). Aber auch in Deutschland ist die Stimmung hierzu tendenziell positiv (55 %) und im Vergleich zur Befragung vom Frühjahr 2017 deutlich gestiegen. Seinerzeit lag er in Deutschland noch bei 47 Prozent. Mit nur 41 Prozent trauen die US-Amerikaner Autoherstellern am wenigsten den Bau autonomer Fahrzeuge zu, die vor Cyber-Kriminalität geschützt sind.

Datenerhebung ebenso notwendig wie Datenschutz

Die meisten Autofahrer sind sich darüber bewusst, dass Daten in modernen Fahrzeugen erfasst und an Automobilhersteller übermittelt werden, darunter Daten über den Zustand des Fahrzeugs (Kilometerstand, Fehlermeldungen), aber Fahrzeugbewegungsdaten (z. B. Geschwindigkeit, Position) oder personen-spezifische Daten wie Fahrstil oder Sitzeinstellung. Aber wie gut fühlen sie sich hierüber informiert? Hier zeigen sich sehr große Unterschiede: 55 Prozent der Befragten in den USA geben an, eher schlecht darüber informiert zu sein, welche Daten für welchen Zweck verwendet werden, wer Zugriff auf die Daten hat und wie gut die Daten geschützt sind, in Deutschland sind es noch 52 Prozent der Befragten. Bei den Chinesen gilt dies nur für 15 Prozent.

Bei allen Befragten sind Sicherheitsaspekte die Hauptmotivation, um Daten zu teilen. Die Chinesen zeigen zudem mit 71 Prozent eine größere Neigung (Deutschland 45 %, USA 42 %), Daten zur Aktualisierung und Nutzung neuer Services weiterzugeben – etwa bei Telematikdiensten wie beispielsweise Parkplatzfindern. Zwischen 30 und 50 Prozent der Autofahrer in allen drei Ländern geben an, vor allem Pannenhilfen, Kfz-Versicherungen, Prüforganisationen, Automobilherstellern und staatlichen Institutionen ihre Daten zur Verfügung stellen zu wollen. Geringer ist die Bereitschaft zur Datenübermittlung bei Service- und Mobilitätsanbietern, eigenen Daten App-Anbietern, Automobilzulieferern und -händlern sowie Infrastrukturbetreibern wie Tankstellen.

Forderungen an Politik und Industrie

Die Befragung zeigt, dass die Autofahrer verschiedene Probleme wahrnehmen, die eine Akzeptanz autonomer Fahrzeuge beeinträchtigen können und wesentliche Hindernisse für deren Verbreitung darstellen. Bei der Beseitigung solcher Hindernisse sind insbesondere Industrie und Politik gefordert. Aus Sicht der Studienteilnehmer aus Deutschland ist dabei am wichtigsten, dass stets die Möglichkeit besteht, auch selbst zu fahren (53 Prozent). Ferner sei für 49 Prozent die Rechtslage weiter zu klären, zum Beispiel in Haftungsfragen, und der Datenschutz durch entsprechende Rahmenbedingungen zu gewährleisten (37 Prozent). Bei den Befragten in den USA hat die Möglichkeit, selbst das Steuer übernehmen zu können, ebenfalls höchste Priorität (47 Prozent). Auf Platz zwei rangiert mit geringem Abstand der Nachweis der funktionalen Sicherheit durch Tests (45 Prozent). Auf Platz drei folgt Sicherung des Autos vor Fremdzugriff (43 Prozent). Für die Chinesen ist die Sicherung der persönlichen Daten besonders wichtig (43 Prozent), noch vor Gewährleistung des Datenschutzes (40 Prozent) und Sicherung des Fahrzeugs vor Fremdzugriff (36 Prozent).

Die Untersuchung zur Sicherheit autonomer Fahrzeuge von TÜV Rheinland zum Thema autonomes Fahren wurde im September 2017 via Online-Panel durchgeführt. Für die Studie wurden in China, Deutschland sowie den USA repräsentativ jeweils rund 1.000 Personen ab 18 Jahren befragt, die selbst im Besitz eines Pkw-Führerscheins sind. Es ist bereits die zweite Studie dieser Art von TÜV Rheinland. Im Frühjahr 2017 führte das Unternehmen eine Studie zur Akzeptanz autonomer Fahrzeuge in Deutschland durch.

Kontakt für Journalisten: Wolfgang Partz
+49 221 806-2290
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