Prüfung von Aufzügen durch TÜV Rheinland

Aufzugprüfung

Aufzug fahren gehört für Millionen Menschen in Deutschland zur täglichen Routine. Doch viele fühlen sich im Lift unwohl, denn sie haben Angst, stecken zu bleiben oder abzustürzen. Diese Angst ist unbegründet. Hin und wieder kommt es zwar vor, dass der Aufzug beispielsweise wegen eines Stromausfalls oder technischen Defekts stecken bleibt oder sich die Türen nicht mehr öffnen lassen. Aber ein Aufzug kann, rein technisch gesehen, nicht abstürzen. Spezielle Fangvorrichtungen verhindern das. Es besteht auch keine Gefahr zu ersticken. In den Wänden des Aufzugs befinden sich mehrere, nicht immer sichtbare Lüftungslöcher. Durch sie strömt immer ausreichend Sauerstoff in die Aufzugskabine. Auch wird der Schacht selbst gesondert belüftet.

Die wichtigste Regel, wenn ein Aufzug stecken bleibt, ist deshalb: Ruhe bewahren und umgehend mindestens drei Sekunden lang die Notruftaste betätigen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Systeme. Ältere Modelle verfügen über einen akustischen Notruf, der im Gebäude ertönt. Wer den Notruf hört, verständigt den sogenannten Aufzugswärter. Das kann zum Beispiel der Hausmeister sein. Die Telefonnummer des Aufzugswärters oder der Wartungsfirma sollte immer am Hauptzugang der Anlagen (in der Regel im Erdgeschoss) außen am Aufzug angegeben sein. Bei modernen Aufzügen wird der Steckengebliebene per Freisprechanlage mit einer Notrufzentrale oder dem Gebäudemanagement verbunden. Der Ansprechpartner am anderen Ende weiß, um welchen Aufzug es sich handelt, und schickt Hilfe. Innerhalb von spätestens 30 Minuten sollte Hilfe da sein.

Wie werden Aufzüge durch TÜV Rheinland geprüft?

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Hersteller von Aufzugsanlagen müssen bei der Errichtung in einem umfangreichen Verfahren nachweisen, dass ihre Anlagen den geltenden Normen und technischen Regeln entsprechen. Seit Sommer 2015 müssen neue Aufzugsanlagen vor der Inbetriebnahme neben den Prüfungen, die der Hersteller veranlasst, vor Ort von einer zugelassenen Überwachungsstelle wie beispielsweise TÜV Rheinland abgenommen werden. Dazu ist unter anderem ein Notfallplan erforderlich, den der Betreiber erstellen muss. Dieser Notfallplan muss seit Sommer 2016 auch bei Anlagen vorliegen, die bereits in Betrieb sind. Enthalten sind in dem Plan alle wichtigen Hinweise für den Fall des Steckenbleibens und für die sichere Befreiung von Personen. Zudem muss bis Ende 2020 jeder Aufzug über ein funktionierendes Zweiwege-Kommunikationssystem verfügen. Im Betrieb ist grundsätzlich der Betreiber der Aufzugsanlage verantwortlich für deren Wartung, Instandhaltung und Prüfung. Daher haftet er auch für mögliche Schäden.

Die regelmäßige Überprüfung von Aufzugsanlagen ist ein absolutes Muss. Das zeigt auch die jährliche Mängelstatistik. So waren bei der für 2016 vorgestellten Mängelstatistik des Verbands der TÜV nicht einmal die Hälfte aller Aufzugsanlagen in Deutschland mängelfrei. Rund 15 Prozent der Anlagen wiesen bei der wiederkehrenden Prüfung sicherheitsbedenkliche und gefährliche Mängel auf. Knapp 3.500 Aufzüge in Deutschland mussten wegen gefährlicher Mängel sofort abgeschaltet werden. Dennoch kommen trotz rechtlicher Verpflichtung immer noch viele Betreiber ihrer Prüfpflicht nicht nach.

TÜV Rheinland verfügt über mehr als 200 ausgebildete Aufzugssachverständige. Zum Einsatz kommen ausschließlich Ingenieure. Vor dem Einsatz als Aufzugsprüfer werden die Mitarbeiter über viele Monate intensiv in Theorie und Praxis geschult. Die Einarbeitung endet mit einer internen Prüfung. Erst danach darf ein Sachverständiger bei TÜV Rheinland selbständig prüfen und wird auch während seiner Tätigkeit laufend weiter qualifiziert.

Was wird bei Aufzügen geprüft?

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Im Betrieb muss ein Aufzug in Deutschland jährlich geprüft werden. Es finden im Wechsel eine Zwischenprüfung und eine umfangreiche Hauptprüfung durch speziell ausgebildete Sachverständige einer so genannten zugelassenen Überwachungsstelle wie beispielsweise TÜV Rheinland statt.

Bei der Prüfung werden unter anderem Fahrverhalten, Sicherheits- und Nothaltvorrichtungen, Bremsen, die Funktion der Türen und die Notrufeinrichtungen intensiv betrachtet. Bei der so genannten Fangprüfung wird untersucht, ob eine Notbremsung im Fall der Fälle automatisch ausgelöst wird. Alle Mängel werden in einem Prüfbericht erfasst, kategorisiert und dem Betreiber übermittelt.

Bei einer akuten Gefährdung durch gefährliche Mängel wird der Aufzug sofort stillgelegt und darf erst nach Reparatur und erfolgreicher Nachprüfung wieder in Betrieb gehen. In diesen Fällen wird, nach den gesetzlichen Vorgaben der Bundesländer, die örtliche Aufsichtsbehörde informiert. Besteht der Verdacht, dass aus bestehenden Mängel in naher Zukunft gefährliche Betriebszustände werden, wird eine Nachprüfung zur Sicherstellung eines ungefährdeten Betriebs gefordert.

Nach erfolgter Prüfung erhält der Aufzug die Prüfplakette von TÜV Rheinland. In Deutschland gab es bis 2015 keine gesetzlich verankerte Pflicht, einen Aufzug nach erfolgter Prüfung mit einer Plakette zu versehen. Inzwischen muss in Aufzügen durch Prüfplaketten erkennbar sein, wann die nächste Prüfung ansteht und wer die letzte Prüfung vorgenommen hat. TÜV Rheinland vergibt deshalb eigene Prüfzeichen für Anlagen, die das Unternehmen überprüft hat. Sicheren Aufschluss gibt zusätzlich die vom Betreiber zu führende Dokumentation, in der Regel in Form eines Prüfbuchs, in dem die jeweiligen Prüfberichte aufbewahrt werden. Mit den Prüfberichten kann der Betreiber beispielsweise nach einem Unfall nachweisen, dass er seinen Pflichten nachgekommen ist.

Kontrolle der Prüforganisationen

Das Gebiet der Aufzugsprüfung wird in Deutschland durch die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) als oberste Behörde überwacht. Die ZLS mit Sitz in München ist zuständig für die Anerkennung und Überwachung von Prüflaboratorien, Zertifizierungsstellen und Inspektionsstellen, die die Sicherheit von Geräten, Maschinen und Anlagen überprüfen und zertifizieren. Diese Aufgabe nimmt die ZLS für alle Bundesländer wahr. Prüfungen an überwachungsbedürftigen Anlagen, wie zum Beispiel Aufzügen, dürfen nur so genannte zugelassene Überwachungsstellen (ZÜS) durchführen. Diese Überwachungsstellen müssen der ZLS gegenüber jährlich in umfangreichen Audits regelmäßig nachweisen, dass sie absolut unabhängig arbeiten und hinsichtlich ihrer Organisationsstrukturen, Mittel, Ausrüstung und Personal für diese Aufgabe geeignet sind.

TÜV Rheinland verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Aufzugstechnik und ist von der ZLS als zugelassene Überwachungsstelle anerkannt. Im Rahmen eines umfangreichen Zulassungsverfahrens wurde beispielsweise überprüft, ob ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 besteht und ob durch ein internes Qualitätssicherungssystem die Dienstaufsicht und die Fachaufsicht gewährleistet sind. An das eingesetzte Personal und die Personalqualifizierung werden hohe Anforderungen gestellt. Die ZLS überprüft, ob es ein System zur Erstqualifizierung des Personals gibt und ausreichend Fortbildungstage für jeden Prüfer gewährt werden (mindestens fünf im Jahr).