Prüfungen in der chemischen Industrie

Label Regelmäßige Prüfung

Unternehmen der chemischen Industrie unterliegen vielen Anforderungen hinsichtlich der Betriebssicherheit, des Arbeitsschutzes, des Umweltschutzes und der Verhinderung von Störfällen einschließlich der Begrenzung der Auswirkungen. Damit die komplexen technischen Anlagen in diesem Industriezweig die Anforderungen erfüllen, die an die Betriebssicherheit und an den Arbeitsschutz gestellt werden, sind sowohl vor der Inbetriebnahme als auch anschließend im Betrieb technische Prüfungen verpflichtend vorgeschrieben. Gesetzliche Grundlage hierfür ist die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln (Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV), die den Betrieb und die Prüfungen von solchen überwachungsbedürftigen Anlagen regelt. Überwachungsbedürftige Druckanlagen nach der Festlegung der Verordnung sind Druckbehälter-, Rohrleitungs- und Dampfkesselanlagen sowie Füllanlagen für Druckgase. Je nach Art des Betriebs und der Produktion müssen weitere Vorschriften hinsichtlich des Umweltschutzes sowie der Störfallverhinderung eingehalten werden. Dazu zählen zum Beispiel die Störfallverordnung, die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, die Gefahrstoffverordnung oder die Rohrfernleitungsverordnung.

Anlagen mit Explosionsgefährdung haben einen besonderen Stellenwert in der Betriebssicherheits- und der Gefahrstoffverordnung. Diese Anlagen werden ganzheitlich mit allen zugehörigen Schutzmaßnahmen betrachtet. So ist beispielsweise eine detaillierte Gefährdungsbeurteilung (GBU) erforderlich, um die Anforderungen zu erfüllen. In dieser Beurteilung werden alle Maßnahmen definiert – unter anderem die Ausrüstung, der Betrieb und die erforderlichen Prüfungen. Die Prüffristen nach der Betriebssicherheitsverordnung werden auf Basis dieser Gefährdungsbeurteilungen festgelegt. Die Betriebssicherheitsverordnung legt allerdings auch fest, dass alle Anlagen vor der Inbetriebnahme und dann wieder nach spätestens sechs Jahren vollständig zu prüfen sind. Zusätzlich ist eine Prüfung nach spätestens drei Jahren für Geräte und Schutzsysteme, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden, erforderlich (nach der Richtlinie 2014/34/EU). Für Lüftungsanlagen sowie Gaswarn- und Inertisierungseinrichtungen sind Prüfungen sogar jährlich vorgeschrieben. Bei der Inertisierung im Brand- und Explosionsschutz wird der Sauerstoff durch Zugabe von so genanntem Inertgas – beispielsweise Stickstoff – verdrängt. Dadurch lässt sich vermeiden, dass eine Atmosphäre explosiv wird.

Label Regelmäßige Prüfung

Die Höchstfristen zur Prüfung dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen und mit Zustimmung der Behörde überschritten werden. Generell ist der Arbeitgeber einer Anlage für die Einhaltung aller Anforderungen und für die Prüfungen verantwortlich. Mit der Durchführung der Prüfungen kann er beispielsweise TÜV Rheinland beauftragen. TÜV Rheinland beschäftigt für die Ausführung der Prüfungen nur qualifizierte Fachleute – in der Regel Ingenieure –, die im Rahmen einer zusätzlichen internen Ausbildung die Befugnis für die Durchführung der jeweiligen Prüfungen erlangen. Entscheidend für den Nachweis, dass der Arbeitgeber beziehungsweise Betreiber einer Anlage seine Verantwortung wahrnimmt, ist die Dokumentation durch die entsprechenden Prüfberichte. Die verantwortlichen Aufsichtsbehörden sind die jeweiligen Arbeitsschutzbehörden, die Auflagen verhängen und bei Verstößen den Betrieb der Anlagen untersagen können.

Die Inhalte der vorgeschrieben Prüfungen sind in ergänzenden technischen Regelwerken, den Technischen Regeln für Betriebssicherheit definiert. Die Prüfungen variieren entsprechend des zu prüfenden Objekts. So sind zum Beispiel bei Druckbehältern in bestimmten Zeitabständen eine innere Prüfung, eine Festigkeitsprüfung und in manchen Fällen eine äußere Prüfung vorgesehen.

Die Prüfungen nach der Betriebssicherheitsverordnung müssen durch zugelassene Überwachungsstellen (ZÜS) durchgeführt werden. Was zeichnet zugelassene Überwachungsstellen wie beispielsweise TÜV Rheinland aus? Nach der Betriebssicherheitsverordnung sind das Prüforganisationen, die von der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) für diese Aufgaben eine Befugnis erhalten und für die Tätigkeiten in den jeweiligen Bundesländern benannt werden. Voraussetzungen für diese Anerkennung sind unter anderem die Unparteilichkeit, die Unabhängigkeit und der Nachweis darüber, dass die Mitarbeiter entsprechend der zu übernehmenden Aufgaben qualifiziert sind. Insgesamt heißt das: Eine zugelassene Überwachungsstelle muss als Organisation die Eignung nachweisen, nach den vorgeschriebenen Regeln zu prüfen, und ein funktionierendes und geeignetes Qualitätssicherungssystem vorweisen, das regelmäßig intern und extern überwacht wird.

Eine Besonderheit stellen die bekannt gegebenen Sachverständigen nach § 29a Bundes-Immissionsschutzgesetz dar, die Prüfungen und Begutachtungen im Rahmen der Störfallverordnung durchführen dürfen. Diese Sachverständigen sind bei TÜV Rheinland angestellt, müssen aber ihre besondere Qualifikation in einem gesonderten Verfahren nachweisen und werden durch die zuständigen Behörden persönlich ernannt. Diese Fachleute haben den Auftrag, die Überwachungstätigkeit der Behörden zu entlasten und zu unterstützen. Sie nehmen sicherheitstechnische Prüfungen an genehmigungsbedürftigen Anlagen anhand der sicherheitstechnischen Unterlagen vor, die unter das Gesetz beziehungsweise die Verordnung fallen.