„Nichts für Feiglinge“

Dr.-Ing. Michael Fübi im Interview

Die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren im Informations- und Entscheidungsverhalten jedes einzelnen sowie im menschlichen Miteinander zu tiefgreifenden Veränderungen führen. Eine Folge: Verunsicherung. Dabei liegt es an den Menschen selbst, das Zepter in die Hand zu nehmen und Digitalisierung zum eigenen Nutzen einzusetzen.

Herr Dr. Fübi, Hand aufs Herz: Wie digital sind Sie heute schon?

Sagen wir, ich bin guter Durchschnitt: Ich suche mir aus dem ganzen Bereich Digitalisierung die Dinge aus, die mein Leben erleichtern und die mich weiterbringen. Ich setze sie aber immer bewusst ein, unter Berücksichtigung meiner Privatsphäre. Smartphone, Smart-Watch und Tablet nutze ich selbstverständlich. Aber ich wäge immer ab, wem ich meine Daten weitergebe und wem nicht.

Mancher sieht die Digitalisierung als Bedrohung, etwa für den Arbeitsplatz. Zu Recht?

Es ist verständlich, dass viele Menschen Digitalisierung und künstliche Intelligenz als Bedrohung ansehen. Sie glauben, dass sie durch Roboter ihren Arbeitsplatz verlieren. Ich sehe das anders. Durch die Verbindung von menschlicher und künstlicher Intelligenz können wir unsere Produktivität steigern. Wir Menschen gewinnen dadurch wieder Zeit für andere wichtige Aufgaben, die sonst auf der Strecke blieben. Es wird immer Dinge geben, die nur ein Mensch kann, beispielsweise fühlen oder empathisch handeln. Auf der anderen Seite gibt es Dinge, die Maschinen besser und schneller umsetzen, wie die Verarbeitung von riesigen Datenmengen. Und eines dürfen wir nicht vergessen: Durch die Digitalisierung entstehen auch neue Jobs.

Wie müssen sich Unternehmen aufstellen, um die Digitalisierung für sich zu nutzen?

In Zukunft sind die Unternehmen erfolgreich, deren Mitarbeiter ein breites Bildungsspektrum haben und mutig vorangehen. Zugespitzt formuliert: Digitalisierung ist nichts für Feiglinge. Mehr technische und soziale Schlüsselkompetenzen und Querschnittsqualifikationen werden gefragt sein. Für den Menschen einzigartige Fähigkeiten wie Medienkompetenz, Anwendungs-Know-how, Kreativität, Argumentation sowie informatische und analytische Grundkenntnisse werden an Bedeutung gewinnen. Mehr denn je wird eine hochwertige, lebenslange Aus- und Fortbildung die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg, sozialen Zusammenhalt und gesellschaftliches Miteinander sein. Hier leistet TÜV Rheinland als großer Bildungsanbieter schon heute einen wichtigen Beitrag.

Blicken Sie in die Zukunft: Wie werden wir im Jahr 2050 leben?

Ich bin sicher, dass der wissenschaftliche und technische Fortschritt, vor allem bei robotischen Systemen, unser Leben sicherer und noch angenehmer machen wird. Schon heute sind Roboter in der industriellen Fertigung selbstverständlich und darüber hinaus auf dem Vormarsch. Wir nutzen zunehmend automatisierte Produkte und Systeme, seien es automatische Staubsauger oder Rasenmäher im Haushalt, Fahrassistenzsysteme in Autos oder auch Anwendungen in der Medizintechnik. Eines sollten wir Menschen uns dabei immer wieder bewusst machen: Mit unserer Kreativität können wir wirklich Neues schaffen. Und das unterscheidet uns von Maschinen.

Bildnachweis: TÜV Rheinland AG

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