KlangVOLL

Orgelbauer Frank Weimbs im Interview.

Orgelbau und Orgelmusik haben in Deutschland eine Jahrhundertealte Tradition – die 2017 von der UNESCO sogar zum Immateriellen Weltkulturerbe ernannt wurde. Das historische Handwerk mit Moderner Technik zu verbinden, ist das Ziel von Frank Weimbs. Im Eifelstädtchen Hellenthal fertigt er Orgeln für Kirchen und Konzertsäle in aller Welt.

Frank Weimbs ist gerade aus Japan zurückgekehrt. Er wollte persönlich dabei sein, als eines seiner Instrumente für eine Kapelle in Kyoto eingeweiht wurde. Bereits seit 1927 baut die Familie Weimbs Orgeln, doch es bleibt immer ein Ereignis, wenn eine zum ersten Mal erklingt. Orgeln sind gewaltige, aufwändige und kostspielige Instrumente, die angesichts der Möglichkeiten digitaler Klangerzeugung anachronistisch wirken. Doch das sind sie nicht, im Gegenteil. Allein in Deutschland beschäftigen rund 400 Orgelbaubetriebe mehr als 2.800 Menschen. Kaum eine Kirche und ein Konzertsaal möchte auf den Klang einer handwerklich gefertigten Orgel verzichten. „Jede unserer Orgeln ist einzigartig, denn sie wird eigens für den Raum entwickelt, in dem sie später erklingt“, sagt Frank Weimbs.

Dazu setzt er auf Hightech. Bei der Planung und Gestaltung von Orgeln für einen bestimmten Raum helfen 3D-Visualisierungen. Programmgesteuerte Fräsen und Bohrer sorgen für präzise Formen von Hölzern und Pfeifen. „Computer helfen uns effizienter zu arbeiten und konkurrenzfähig zu sein, vor allem aber helfen sie uns bessere Instrumente zu bauen“, sagt Weimbs. Akustikprogramme simulieren die Klangwirkung und erleichtern die mitunter wochenlange, finale Abstimmung Hunderter Pfeifen im Raum. Die Mechanik früherer Orgeln ist heute weitgehend durch Elektronik ersetzt: Drückt der Organist eine Taste, steuert er damit keine Seilzüge mehr, sondern Elektromotoren, die über Klappen den Luftzug durch die Pfeifen regulieren. Manche moderne Orgel lässt sich sogar per App steuern. Einer solchen Playbackorgel fehle jedoch das Menschliche, findet Frank Weimbs: „Der Organist ist ganz entscheidend für den Klang und die Wirkung einer Orgel. Er muss für die Gemeinde und den Chor spielen – mal schneller, mal langsamer. Ein Computer kann das nicht.“ Vielleicht macht genau diese intuitive Interaktion zwischen Organist, Instrument und Sängern Orgelmusik so bewegend.

Zwischen Knochenleim und Computer

Dank seiner Offenheit für Innovationen ist der deutsche Orgelbau weltweit erfolgreich. Basis ist jedoch die gute handwerkliche Ausbildung, Erfahrung und Kreativität. Ein Orgelbauer muss mit Knochenleim genauso gut umgehen können wie mit programmierbaren Steuerungen. „Der Mix aus Tradition und Moderne muss stimmen. Wir haben Mitarbeiter, die würden bei einer alten Orgel am liebsten jeden Holzwurm konservieren, andere stürzen sich auf neue Technologien. Allen gemeinsam ist die Neugier und der Wunsch, sich und unsere Instrumente immer weiterzuentwickeln“, so Frank Weimbs.

Bildnachweis: Maria Schulz

Weitere interessante Artikel zu Themen wie Building Information Modeling, Lärm und ein Interview mit Lina van de Mars finden Sie in unserem Wissensmagazin kontakt 1.18 unter Publikationen.