Echte Liebe?!

Roboterethikerin Kate Darling im Interview

Roboter sind ihre Leidenschaft – Dr. Kate Darling, Roboterethikerin am US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) und in Harvard, fragt sich, warum wir eine starke emotionale Bindung zu lebensechten Maschinen entwickeln.

Die Grenze zwischen Mensch und Technik löst sich zunehmend auf: Ganz selbstverständlich interagieren wir mit digitalen Assistenten, die mitunter mehr über uns wissen als unser menschlicher Partner – vom Terminkalender über die Farbe unserer Lieblingshose bis zum Leibgericht im Stammrestaurant. Unser vertrauensvolles Verhältnis zu smarter Technik und Robotern erscheint nicht immer besonders reflektiert und rational. Kate Darling ist davon fasziniert. Die promovierte Juristin und selbsternannte „Mistress of Machines“ (Herrin der Maschinen) untersucht die Auswirkungen von Robotertechnik auf die Gesellschaft, beleuchtet rechtliche, soziale und ethische Zusammenhänge. „Das Problem ist nicht, dass Roboter sich gegen uns wenden könnten“, sagt Kate Darling. „Wir müssen vielmehr herausfinden, was mit uns passiert, wenn wir mit Robotern umgehen.“

Menschliche Eigenschaften auf Roboter übertragen

So konnte Kate Darling beobachten, dass Menschen ihren Staubsaugerrobotern Namen geben und sie bemitleiden, wenn sie unter Möbeln stecken bleiben. Bei einem anderen Experiment weigerten sich Probanden, kleine Dinosaurier-Roboter, mit denen sie zuvor interagieren sollten, zu zerstören. Eine Teilnehmerin entfernte die Batterie, damit ihr Dino den Schmerz nicht spüren müsse. Obwohl der Verstand weiß, dass Maschinen keine Gefühle haben und abgeschaltet werden können, sympathisieren manche Menschen mit ihnen und behandeln sie wie Lebewesen. Sie fühlen eine ethische Verantwortung gegenüber den programmierten, scheinbar selbstgesteuerten Objekten. Darling zufolge spielt es dabei kaum eine Rolle, wie intelligent eine Maschine ist oder was sie alles kann. Unsere Empathie und damit unser Handeln ist durch Technik – bzw. jene, die sie kontrollieren – leicht zu manipulieren, mit guten oder bösen Absichten. Bei aller angebrachten Skepsis plädiert Darling dafür, anthropomorphe Technologie als Unterstützung und Bereicherung für unser Leben zu nutzen. Roboter sind beispielsweise schon erfolgreich bei Therapieverfahren für autistische Kinder im Einsatz und leisten älteren Menschen in Pflegeheimen Gesellschaft. „Anstatt sie anzuprangern, sollten wir sie zu unserem Vorteil gestalten und verantwortungsbewusst mit ihnen umgehen“, so Kate Darling. Die Juristin kann sich sogar Gesetze vorstellen, die den Bau von Robotern und den Umgang mit ihnen regeln. Es gehe nicht darum, Robotern Rechte zuzusprechen, so die Roboterethikerin. Vielmehr sei es wichtig, sich genau anzuschauen, wie lernfähig Roboter sind, was sie leisten können und welche Funktionen sie haben.

Bildnachweis: Flavia Schaub

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