Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

Änderungen durch die neue Betriebssicherheitsverordnung

Betriebssicherheitsverordnung als Prüfgrundlage

Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen sind die Gesamtheit der explosionsschutzrelevanten Arbeitsmittel einschließlich der Verbindungselemente sowie der explosionsschutzrelevanten Gebäude. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) bildet die gesetzliche Grundlage für die Prüfung dieser Anlagen. Die Prüfungen sind mit dem Ziel durchzuführen, den Schutz vor Gefährdungen durch Explosionen und Brände mindestens bis zur nächsten Prüfung sicherzustellen. Bei den Prüfungen sind auch die Wirksamkeit und die Funktion der technischen Schutzmaßnahmen festzustellen, die nach dieser Verordnung und der Gefahrstoffverordnung getroffen wurden.

In der Betriebssicherheitsverordnung sind die erforderlichen Prüfungen für den sicheren Betrieb und die Maßnahmen zur sicheren Verwendung sowohl für überwachungsbedürftige als auch für nichtüberwachungsbedürftige Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen geregelt. In Anhang 2 BetrSichV ist definiert, welche Anlagen überwachungsbedürftig sind (gemäß § 2 Absatz 13 BetrSichV).

Übersicht Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

Neue Begriffsbestimmung

Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen sind die Gesamtheit der explosionsschutzrelevanten Arbeitsmittel, Verbindungselemente sowie der relevanten Gebäudeteile (gemäß Abschnitt 3 BetrSichV).

Betreiber überwachungsbedürftiger Anlagen, die nicht Arbeitgeber sind, werden in der Betriebssicherheitsverordnung zukünftig hinsichtlich Ihrer Pflichten den Arbeitgebern gleichgestellt, wenn der Betrieb gewerblichen oder wirtschaftlichen Zwecken dient.

Neuregelung der Gefährdungsbeurteilung (GBU)

Das zentrale Element der Betriebssicherheitsverordnung bildet die Gefährdungsbeurteilung einer fachkundigen Person, mit deren Hilfe der Arbeitgeber die auftretenden Gefährdungen bereits vor der Verwendung von Arbeitsmitteln beurteilt und daraus die notwendigen und geeigneten Prüfungen und Maßnahmen ableitet.

Mit Inkrafttreten der neuen BetrSichV sind die Beschaffenheitsanforderungen und die Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich der Entstehung explosionsfähiger Atmosphären, der möglichen Zündquellen und die Auswirkungen einer Explosion im §6 der Gefahrstoffverordnung geregelt. Durch diese neue Regelung wird die bisherige Doppelregelung zum Explosionsschutz, die in der BetrSichV 2002 vorherrschte, beseitigt.

Strukturelle Änderungen für die Prüfung von überwachungsbedürftigen Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

  • Prüfungen vor Inbetriebnahme und nach Wiederinbetriebnahme sind in §15 BetrSichV und deren Prüfinhalte gesammelt in Anhang 2 Abschnitt 3 Nr. 4 BetrSichV geregelt.
  • Wiederkehrende Prüfungen sind in §16 BetrSichV und deren Prüfinhalte gesammelt im Anhang 2 Abschnitt 3 Nr. 5 BetrSichV geregelt.

Zusätzliche Vorschriften für überwachungsbedürftige Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen, die einer Erlaubnis bedürfen

Folgende Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen bedürfen gemäß §18 Absatz 1 BetrSichV einer Erlaubnis:

  • Gasfüllanlagen zum Befüllen von Land-, Wasser-, Luftfahrzeugen mit entzündbaren Gas
  • Lageranlagen für ortsfeste und ortsbewegliche Behälter mit einer Lagerkapazität von mehr als 10.000l entzündbare Flüssigkeit
  • Füllstellen
  • Tankstellen
  • Flugfeldbetankungsanlagen
  • Betankungsanlagen

Für überwachungsbedürftige Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen, die einer Erlaubnis bedürfen gilt (gemäß §18 BetrSichV):

  • Die vollumfängliche Prüfung schließt die Prüfung der Maßnahmen zum Brandschutz mit ein.
  • Die Prüfungen von Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen mit Erlaubnispflicht sind durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) durchzuführen (gemäß Anhang 2 Abschnitt 3 BetrSichV)
  • Im Rahmen des Erlaubnisverfahrens ist (gemäß §18 Absatz 3 BetrSichV) zusätzlich ein Prüfbericht einer ZÜS den Antragsunterlagen beizufügen, der bestätigt, dass die Anlage bei Einhaltung der definierten Maßnahmen und der weiteren notwendigen Prüfungen sicher betrieben werden kann.

Prüfvorschriften für Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

Für Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen gilt (gemäß Anhang 2 Abschnitt 3 BetrSichV):

  • Vor Inbetriebnahme und nach prüfpflichtigen Änderungen ist eine vollumfängliche Prüfung der Anlagen in ihrer Gesamtheit erforderlich.
  • Anlagen müssen mindestens alle 6 Jahre wiederkehrend vollumfänglich in ihrer Gesamtheit geprüft werden.
  • Prüfungen von Anlagen ohne Erlaubnispflicht können neben einer ZÜS ebenfalls von einer zur Prüfung befähigten Person durchgeführt werden. Die Qualifikationsanforderungen an die befähigte Person sind gestiegen.
  • Geräte, Schutzsysteme, Sicherheits- Kontroll- und Regelvorrichtungen nach RL2014/34/EU, Verbindungseinrichtungen und Wechselwirkungen zu anderen Anlagenteile sind weiterhin wiederkehrend mindestens alle drei Jahre zu prüfen.
  • Die Prüfung von Lüftungsanlagen, Gaswarn- und Inertisierungseinrichtungen muss zukünftig mindestens jährlich wiederkehrend erfolgen.
  • Auf die wiederkehrende Prüfung, z.B. von Geräten, Schutzsystemen, etc. sowie Lüftungsanlagen, Gaswarn- und Inertisierungseinrichtungen kann teilweise verzichtet werden, wenn ein geprüftes Instandhaltungskonzept vorliegt. Die vollumfängliche Prüfung der Gesamtanlage bleibt hiervon unberührt.

Was ändert sich für Sie als Betreiber?

  • Neuregelung der Gefährdungsbeurteilung
  • Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen müssen vollumfänglich in ihrer Gesamtheit, inkl. aller Einrichtungen, die dem Explosionsschutz und der Arbeitssicherheit dienen, geprüft werden.
  • Höhere Qualifikationsanforderungen an zur Prüfung befähigte Personen.
  • Neue Prüffristen (Höchstfristen).
  • Bei Anlagen gemäß § 18 Absatz 1 BetrSichV (z.B. Lageranlage, Tankstellen, Füllanlagen, Betankungsanlagen) ist ein Prüfbericht einer zugelassenen Überwachungsstelle dem Antrag der Erlaubnis beizulegen.
  • Auf die wiederkehrende Prüfung (z.B. von Geräten, Schutzsystemen, etc. sowie Lüftungsanlagen, Gaswarn- und Inertisierungseinrichtungen) kann teilweise verzichtet werden, wenn ein geprüftes Instandhaltungskonzept vorliegt. Die vollumfängliche Prüfung der Gesamtanlage bleibt hiervon unberührt.

Leistungen von TÜV Rheinland

  • Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung.
  • Unterstützung bei der Erarbeitung und Überarbeitung des Explosionsschutzdokumentes.
  • Erstellung des Prüfberichtes nach §18 Absatz 3 BetrSichV für die Einreichung der Erlaubnisunterlagen.
  • Vollumfängliche Prüfung der Anlage vor Inbetriebnahme und wiederkehrend.
  • Prüfung von Geräten, Schutzsystemen, Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen, Verbindungseinrichtungen und Wechselwirkungen zu anderen Anlagenteilen.
  • Prüfung von Lüftungsanlagen, Gaswarnanlagen und Inertisierungsanlagen.
  • Unterstützung bei der Erarbeitung eines individuellen Instandhaltungs- und Prüfkonzeptes.
  • Schulungen, Seminaren, Trainings zur neuen Verordnung und dem Explosionsschutz.

Informationsmaterial zur neuen Betriebssicherheitsverordnung

Das Dokument „Übersicht Änderungen BetrSichV 2015“ bietet Ihnen in komprimierter Form einen Überblick zu den relevanten Änderungen für Arbeitsmittel und überwachungsbedürftige Anlagen, die aus der neuen Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) für Sie entstehen.

Neben den relevanten Änderungen zeigen wir Ihnen, wie die nächsten Schritte für Sie als Arbeitgeber und Anlagenbetreiber aussehen und wie TÜV Rheinland Sie hierbei unterstützen kann.

Für Fragen und weitere Informationen zu der neuen Betriebssicherheitsverordnung kontaktieren Sie uns gerne!