Richtig stören macht innovativ

Dr.-Ing. Michael Fübi Vorstandsvorsitzender TÜV Rheinland

Kaum ein anderes Wort im deutschen Sprachschatz ist so negativ belastet wie „zerstören“. Auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar. Wer zerstört, der macht etwas kaputt, was vorher vielleicht funktioniert hat. Doch nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn Zerstörung kann auch nützlich, positiv und sogar notwendig sein.

Herr Dr. Fübi, welche Rolle spielt Zerstörung bei TÜV Rheinland?

Zerstörung spielt in unserer Branche eine große Rolle. Einfaches Beispiel: die Produktprüfung. Hier prüfen wir auch so, dass wir Produkte im Wortsinn zerstören – etwa Textilien, um sie auf schädliche Inhaltsstoffe prüfen zu können, oder Stahlseile, um deren tatsächliche Belastbarkeit zu ermitteln. Doch Zerstörung ist für unser Unternehmen auch im übertragenen Sinne wichtig – nämlich als schöpferische Zerstörung.

Warum?

Viele verbinden mit dem Wort „Zerstörung“ zunächst einmal etwas Schlechtes. Doch ohne schöpferische Zerstörung gäbe es keine Entwicklung. Nehmen Sie das Beispiel Produktion: Die ständige Neukombination von Maschinen, Fertigungstechniken, Werkstoffen und Prozessen verdrängt und ersetzt alte Strukturen und schafft Raum für neue, für effizientere. Auch Zerstören ist also notwendig, um weiterzukommen, um innovativ und damit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wie kommt denn bei TÜV Rheinland das Neue in die Welt?

Ein Beispiel: die Innovation Kickbox – eine Initiative, mit der wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen auffordern, ihre Ideen einzubringen, und sie dabei unterstützen, diese zu verwirklichen. Jede und jeder kann sich hierbei einbringen. Wir engagieren uns zudem verstärkt auf Gründermessen und haben 2016 ein erfolgreiches Start-up im Bereich Smart Home mit seinem Know-how in unser Unternehmen integriert. Daraus ist das neue globale Competence Center IoT Privacy bei TÜV Rheinland entstanden. Diesen erfolgreichen Austausch mit Start-ups wollen wir künftig weiter intensivieren.

Oftmals sind gerade Querdenker besonders kreative Mitarbeiter. Passen solche „Störer“ überhaupt zu TÜV Rheinland?

Statt von „Störern“ spreche ich lieber von Nonkonformisten. Solche Mitarbeiter, die vieles in Frage stellen und damit provozieren, finden auch bei mir immer ein offenes Ohr. Denn das ist wichtig, damit Innovation stattfindet. Daher spornen wir unsere Mitarbeiter zu kreativem Denken an und geben ihnen Raum zum Scheitern. Sonst können wir uns nicht weiterentwickeln.

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