Geniale Faulpelze

Adam Grant, Bestsellerautor 'Nonkonformisten - Warum Originalität die Welt bewegt'

Wie kommen Menschen wie Steve Jobs, Elon Musk und Mark Zuckerberg auf ihre revolutionären Ideen? Der US-amerikanische Organisationspsychologe und Bestsellerautor Adam Grant erforscht das Wesen dieser „Originale“ und hat Tipps parat, wie man selbst zum kreativen Vordenker werden kann.

Dass der Weg zum größten Erfolg nicht immer geradlinig verläuft, dafür ist Adam Grant ein lebendes Beispiel. Der 36-jährige US-Amerikaner hat bereits mehrere Karrieren hinter sich: Er war professioneller Zauberer, Olympiateilnehmer im Wasserspringen und ist nun als Dozent für Organisationspsychologie, Bestsellerautor und Vortragsredner weltweit gefragt. Seine Präsentationen beginnt er meist mit der Geschichte, wie zwei Studenten ihn überzeugen wollten, in ihr Start-up zu investieren, einen Onlinehandel für Brillen. Grant lehnte ab, die Studenten agierten halbherzig, das würde nie funktionieren, glaubte er. Die Firma – Warby Parker – hat heute einen geschätzten Wert von mehr als einer Milliarde Dollar und gehört zu den innovativsten Unternehmen der Welt. Sauer darüber, die Chance verpasst zu haben, begann Grant danach zu forschen, was innovative Köpfe ausmacht und wie man gute Ideen besser hervorbringen und erkennen kann. Innovatoren sind immer auch Nonkonformisten, so Grant. Sie zweifeln den Status quo an, die Mehrheitsmeinung. Und sie verfolgen ihre Vision, allen Widerständen zum Trotz. „Während sich viele Menschen von Zweiflern und Ängsten aufhalten lassen, bleiben Originale hartnäckig. Weil sie es schlimmer finden, es nicht versucht zu haben als zu scheitern“, sagt Grant. Dabei sind Originale nicht risikofreudiger als andere Menschen. Sie sind nur besonders gut darin, die Risiken zu managen. Unternehmen sollten Mitarbeitern daher Freiräume schaffen, neue Ideen auszuprobieren und damit auch scheitern zu dürfen.

Gute Ideen brauchen Zeit

Innovation braucht zudem einen langen Atem. In einer seiner Studien zeigt Grant, dass Prokrastinieren, also das Aufschieben von Aufgaben und Herumbummeln, bei der Entwicklung erfolgreicher Ideen hilft. Ideal sei es, sich schnell in ein Problem einzuarbeiten, es dann erst mal wieder liegen zu lassen. „Die ersten Ideen sind selten die besten und je länger sich das Hirn mit einem Gedanken tragen kann, umso mehr Ideen fördert es zutage“, so Grant. Mit zwanzig Ideen nach einer Stunde Brainstorming sei es nicht getan, erst nach etwa zweihundert Ideen erreiche man die Grenzen der Originalität. Wenig innovativ ist übrigens das Gruppendenken: Wenn zu viele zu ähnliche Menschen zu lange an einer Sache arbeiten, leidet die Vielfalt der Ideen. Unternehmen sollten daher möglichst unterschiedliche Menschen einstellen und zur Ideenfindung zusammenzubringen.

Bildnachweise: © Matt Albiani