Neue Überwachungstechniken

Veranstaltungssicherheit - Neue Überwachungstechniken

Auf der Suche nach geeigneten Sicherheitskonzepten stehen vielerlei Techniken auf dem Prüfstand. Manche sind bereits auf öffentlichen Plätzen und bei Veranstaltungen im Einsatz. Eine intensive Testphase durchläuft derzeit etwa die biometrische Kameratechnik am Bahnhof Südkreuz in Berlin – ein umstrittenes Projekt zur automatischen Gesichtserkennung.

Seit Anfang April 2017 sind am ohnehin bereits mit Videotechnik überwachten Berliner Bahnhof Südkreuz drei Kameras mit biometrischer Gesichtserkennung installiert. Diese Kameras erkennen Gesichter automatisch wieder, wenn diese zuvor in der Datenbank des Systems eingespeist wurden. Selbst Sonnenbrillen oder andere Veränderungen zum zuvor eingespeisten Bild, beispielsweise ein Vollbart oder eine Glatze, sollen die Technik nicht an der eindeutigen Identifizierung hindern. Nach einer halbjährigen Testphase – rund 300 Personen stellten ihre Daten für diese Phase freiwillig zur Verfügung – wird sich zeigen, wie ausgereift diese Kameras sind. Eine Technik, die besonders für Veranstaltungen von hohem Nutzen sein könnte. Personen, die aufgrund von Straftaten oder Ähnlichem in die Datenbank aufgenommen wurden, wären in den Eingangsbereichen leicht zu identifizieren. Doch gerade diese Datenbanken rufen auch die Kritiker auf den Plan. Denn jeder, der von den Kameras erfasst wird, könnte anhand von digitalen Bildern aus dem Internet identifiziert werden und in die Datenbanken aufgenommen werden. Der mögliche Missbrauch dieser sensiblen Daten hätte weitreichende Folgen. Neben der umstrittenen Identifizierung von Personen sollen die Kameras zugleich verdächtige Gegenstände – zum Beispiel herrenlose Gepäckstücke oder auffällige Bewegungsmuster wie das für Taschendiebe typische Verhalten – erkennen können. Inwieweit diese Technik jedoch den künftigen Sicherheitsbestrebungen zugute kommen kann, hängt wohl vor allem von der Vereinbarkeit mit den gesetzlichen Datenschutzbestimmungen ab.

Innovative Barrieren

Weit weniger technisch, aber möglicherweise sehr effektiv ist ein Vorschlag der EU-Kommission. Sie fordert innovative und diskrete Barrieren, um die europäischen Innenstädte besser vor Terrorangriffen zu schützen. Sie sollen Vorfälle wie etwa bei den Lkw-Attentaten von Nizza und dem Berliner Weihnachtsmarkt oder aber die Amokfahrt auf der Londoner Westminster-Brücke verhindern, ohne dabei jedoch den offenen Charakter der Städte zu ändern. Seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 werden bei öffentlichen Großveranstaltungen in Deutschland beispielsweise Lkw oder Container an neuralgischen Punkten aufgestellt, um unter anderem ganze Innenstädte vor solchen Anschlägen zu schützen. Inwieweit die von der EU geforderten Barrieren diese Maßnahmen dauerhaft ersetzen können, ist derzeit noch unklar.

Fliegende Kameras

Diskutiert wird auch der Einsatz von Drohnen. Wenn diese beispielsweise mit der biometrischen Kameratechnik ausgerüstet würden, könnten sie besonders bei weitläufigen Veranstaltungen, etwa Festivals oder Straßenfesten, zur Sicherheit beitragen. Doch viele rechtliche Vorgaben sind noch ungeklärt. Welche Voraussetzungen muss ein Drohnenpilot erfüllen? Wo darf eine Drohne überhaupt zum Einsatz kommen? In der aktuellen Diskussion werden Drohnen ohnehin meist weniger als Hilfsmittel, sondern vielmehr als Risiko angesehen. Eine mit Sprengstoff beladene Drohne ist eine gefährliche Waffe mit großer Reichweite. Zumal geeignete Abwehrsysteme sich größtenteils noch in der Erprobung befinden und fast nirgendwo zur Verfügung stehen beziehungsweise im Einsatz sind.

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