Eine völlig neue Welt

Stefan Kischka

Fragen an Stefan Kischka: „Eine völlig neue Welt"

Wireless? Internet of Things (IoT)? Viele Unternehmen kennen die Begriffe der „Wirtschaft 4.0“, doch nicht alle wissen, wie sie die smarten Technologien für sich nutzen können. Stefan Kischka, Vice President Wireless/IoT bei TÜV Rheinland, weiß Rat.

Herr Kischka, warum sollten Unternehmen das „Internet der Dinge“ für sich nutzen?

Das „Internet of Things“ oder IoT entwickelt sich sehr dynamisch und durchdringt unseren Alltag und unsere Wirtschaft zunehmend. Die Chips und Infrastrukturen werden preiswerter, die Auswahl an Funktechnologien wächst stetig. Für nahezu jede denkbare Anwendung gibt es eine passende Lösung. Dank Wireless-IoT lassen sich Dienstleistungen und Produkte um ganz neue Geschäftsfelder erweitern. Das fordern auch die Kunden. Wer profitieren will, muss lernen, seine Produkte ins Datennetz einzubinden. Das ist eine Riesenchance, aber auch wirtschaftliche Notwendigkeit.

Was sind die Herausforderungen?

Für viele Firmen ist das Thema IoT eine immense Herausforderung, weil sie sich auf komplett unbekanntes Terrain begeben müssen. Wenn zum Beispiel ein Möbelhersteller eine Wireless-Ladestation fürs Smartphone in einen Tisch einbauen will, hat er in der Regel erst mal keine Ahnung von Funktechnik und digitaler Vernetzung. Für ganz viele ist das eine völlig neue Welt.

Wie findet ein Unternehmen die passende Funktechnik zu einem Produkt?

Zunächst muss das Einsatzgebiet klar sein. Funkt das Gerät im Keller oder im Freien? Gibt es einen Netzanschluss oder braucht es eine Batterie? Wie steht es um die Lebensdauer? Welche Daten sollen übermittelt werden und wie oft? So lassen sich Technologien auswählen. Genauso wichtig ist die Frage: In welchen Ländern soll das Produkt verkauft werden? Jeder Markt hat andere Konformitätsanforderungen. Der ZigBee-Standard etwa ist in Europa akzeptiert, in Japan nicht. Das heißt: Der Hersteller eines Tisches muss sein vorher global einheitliches Produkt plötzlich in vielen Varianten bereitstellen. Das wirkt sich auf die Losgröße aus, auf die Stückkosten und womöglich auf die Funktionalität. Vor allem unerfahrene Unternehmen sollten für die jeweiligen Zielmärkte daher vorzertifizierte Chips, Antennen und Module nutzen.

Klingt nach einem komplexen Prozess ...

Ja, und vielen Unternehmen fehlt dafür das Expertenwissen. Hier gilt es, in Fachpersonal zu investieren oder kompetente Hilfe zu holen, denn mit Halbwissen kommt man im Internet der Dinge nicht weit. Dazu ist das Thema zu dynamisch und vielschichtig. Fehlentscheidungen, etwa bei der Auswahl der Funktechnik, können viel Geld kosten.

Was ist besser: Eine proprietäre Insellösung oder ein offener Standard?

Beides hat seine Berechtigung. Es hängt von der konkreten Anwendung ab. Geschlossene Systeme sind super, wenn es klar umgrenzte, fixe Aufgaben zu erfüllen gilt. Offene Standards sind flexibler und machen es meist leichter, neue Funktionen einzubinden. Ein Industriestandard repräsentiert nicht zwingend die beste Technologie für eine konkrete Anwendung. Um die zu finden, muss man sich breit informieren. Daher bringt sich TÜV Rheinland schon lange und intensiv in den Gremien und Arbeitsgruppen ein, die neue Technologien diskutieren und voranbringen.

Wie hilft TÜV Rheinland Unternehmen, den Weg ins Internet der Dinge zu finden?

TÜV Rheinland berät und prüft entlang des gesamten Spektrums der Funktechnologien. Wir sind auf allen Kontinenten aktiv, sind durch unsere Prüflabore und über unsere Arbeit in technischen Gremien international vernetzt. Wir können Kunden von der Entwicklung bis zur Markteinführung zur Seite stehen, führen Funktions- und Produktsicherheitsprüfungen durch, wir helfen bei der länderspezifischen Produktzulassung. Uns ist es wichtig, mit den Kunden von Beginn an vertrauensvoll und eng zusammenzuarbeiten, dann ist der erste Schritt ins Internet der Dinge ganz leicht.

Weitere interessante Artikel zu Themen wie One-Stop-Solutions, Market Access Services, Welt der Labore und Digitales Lernen finden Sie in unserem Wissensmagazin kontakt 3.16 unter Publikationen.