Weniger ist Meer

Jan von Häfen

Jan von Häfen ist im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur der stellvertretende Leiter des Referats Umwelt und Klimaangelegenheiten in der Seeschifffahrt. Seit 2009 ist er zudem Delegierter im Meeres-Umweltausschuss (MEPC) der internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO).

Herr von Häfen, welche Interessen vertreten Sie im MEPC?

Mein Hauptaugenmerk gilt den Interessen der Seeschifffahrt und des Umweltschutzes. Gemessen an ihrer Transportleistung ist die Seeschifffahrt ein recht umweltverträglicher Verkehrsträger. Allerdings gibt es beim Umwelt- und Klimaschutz noch riesiges Potenzial, das es zu erschließen gilt – vor allem in puncto Emissionsreduktion. Daran arbeiten wir in der IMO. Uns ist daran gelegen, die Seefahrt so aufzustellen, dass sie auch in Zukunft ihre unverzichtbare Rolle im Welthandel spielen kann.

Ist das Einsparungspotenzial in der Seeschifffahrt im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln am größten?

Ich würde nicht den Superlativ benutzen. Der Straßenverkehr hat den Vorteil kürzerer Erneuerungszyklen. Ein Schiff wird nicht für die nächsten fünf, sondern für die nächsten 25 Jahre in Dienst gestellt – insofern ist das Potenzial hier wesentlich höher. Wir wollen herausholen, was drin ist, gleichzeitig aber die Seefahrt nicht mit zu strengen Regularien erdrücken.

Wie wollen Sie herausholen, was drin ist?

Der Wechsel eines Registers ist für die Reedereien mit geringem Aufwand verbunden – sie können recht problemlos entscheiden, unter welcher Staatsflagge ihr Schiff in See sticht. Wenn wir regionale Lösungen erlassen, beispielsweise für Europa, tun wir uns aus wirtschaftlicher, aber auch ökologischer Sicht keinen Gefallen. Um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden, helfen uns nur internationale Regelungen. Wir haben den erlaubten Schwefelgehalt von Schiffskraftstoffen in den Schwefelemissionskontrollgebieten (SECAs) stufenweise auf 0,1 Prozent gesenkt. Der MEPC hat außerdem beschlossen, dass der weltweite Grenzwert ab 2020 von 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt wird – das ist ein riesiger Schritt. Damit verbindet sich für die Seeschifffahrt das Erfordernis, auf schwefelarme Kraftstoffe umzusteigen.

Maßnahmen, die als überfällig erscheinen. Hat man ein frühzeitigeres Eingreifen verschlafen?

Nein, was es gebraucht hat, war vor allem ein Problembewusstsein in der Seeverkehrswirtschaft. Das ist mittlerweile vorhanden, was vielleicht als größter Erfolg zu werten ist. Die Unternehmen haben gelernt, dass sie ihren Beitrag leisten müssen. Nicht zuletzt, weil sich bei vielen Kunden ein Umweltbewusstsein entwickelt hat. Es ist von Interesse, dass Waren so klimaneutral wie möglich transportiert werden.

Wie umweltfreundlich sind denn die neuesten Containerriesen?

Schon erheblich umweltverträglicher als noch vor ein paar Jahren. Wir haben in der IMO den Energieeffizienzindex für Schiffsneubauten eingeführt, der seit 2013 Richtwerte vorschreibt, die nicht überschritten werden dürfen. Ab 2019 greift zudem ein System zur Datensammlung, in dem Kraftstoffverbräuche erfasst und in CO2-Emissionen umgerechnet werden. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse werden wir sehen, ob wir weitere betriebliche, technische oder marktbasierte Maßnahmen einführen, um die Emissionen weiter zu senken.

Ist das Ende des Schwerölbetriebs absehbar?

Wir haben einen Weg beschritten, der vom Schweröl wegführt. Aber, wie eingangs erwähnt: Die Erneuerungszyklen in der Seeschifffahrt sind sehr lang. Es wird also noch ein paar Jahre dauern.

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Bildnachweise: © Maria Schulz