Jenseits der Oberfläche

Franka Hörnschemeyer

Industrielle Baustoffe wie Gipskartonplatten und Metallträger sind das Arbeitsmaterial von Franka Hörnschemeyer. Aus genormten Massenprodukten gestaltet die Professorin der Kunstakademie Düsseldorf begehbare Raumlabyrinthe, die zum Perspektivwechsel auffordern.

Das wohl bekannteste Werk von Franka Hörnschemeyer steht im Atrium des Paul-Löbe-Hauses, einem Bürogebäude des Deutschen Bundestags. „BFD – bündig fluchtend dicht“ besteht aus gelben und roten Eisengittern, wie sie zum Gießen von Betonwänden verwendet werden. Ineinander verschränkt, bilden sie ein begehbares, durchsichtiges Labyrinth, das Besucher den Raum immer wieder neu erleben lässt. Franka Hörnschemeyer, in Osnabrück geboren, arbeitet in Berlin und lehrt an der Kunstakademie Düsseldorf. Für ihre Installationen nutzt sie ganz normale Baustoffe, neue und gebrauchte. Jedes Baumaterial berge soziale Information, verrate etwas über die Gesellschaft, die es nutzt, so Hörnschemeyer: „Die meisten Leute sehen nur die Oberfläche, mich interessiert, was darunter liegt: Woher kommt das Material, woraus besteht es, was ist seine Geschichte, was sind die sozialen Aspekte?“ Gipskarton etwa, mit dem Franka Hörnschemeyer häufig arbeitet, ist das Baumaterial unserer mobilen, flexiblen Lebensweise: Es ist standardisiert und preiswert, Räume lassen sich damit schnell errichten und auflösen. „Wie die Menschen und die Stadt, so scheint auch das Material immer in Bewegung zu sein“, sagt Hörnschemeyer. Zugunsten der Funktionalität verlieren architektonische Maßstäbe wie Raumwirkung, harmonische Proportionen und Schönheit an Bedeutung. Hörnschemeyers Raumskulpturen machen Raum hingegen wieder zum Erlebnis. Dafür bricht die Künstlerin Rigipsplatten auf, locht sie, bringt sie in neue Form, fügt sie in metallenes Ständerwerk ein oder ordnet sie auf dem Boden an. Der Raum und das Gebäude um die Skulptur ist dabei stets Teil des Werks. Beim Durchschreiten verändern sich Blickwinkel und Fokus und damit Raum und Werk ständig. „Der unbestimmte Zustand fasziniert mich. Eine objektive Wahrnehmung gibt es nicht, nur die subjektive, individuelle Erfahrung“, sagt Franka Hörnschemeyer.

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Bildnachweise: © Katrin Eissing