Dem Fortschritt einen Rahmen geben

Dr.-Ing. Michael Fübi

Von der schwierigen Geburt eines Standards: Weltweit beteiligen sich TÜV Rheinland-Mitarbeiter in Ausschüssen und Gremien an der Entwicklung neuer Richtlinien. Dr.-Ing. Michael Fübi, Vorstandsvorsitzender der TÜV Rheinland AG, verrät, warum das ebenso wichtig wie mühselig ist.

Herr Dr. Fübi, warum brauchen wir Normen und Standards?

Für mich sind Standards so etwas wie die Standartenträger der Innovation. Sie geben den Rahmen vor, in dem Fortschritt möglich ist – auf effiziente und vor allem sichere Weise. Unternehmen, die die grundlegenden und die spezifischen Standards, etwa zur Produkt- und Arbeitssicherheit, nicht ausreichend kennen und beachten, haben mit ihren Leistungen auf dem Weltmarkt keine Chance.

Wie entstehen Normen und wie ist TÜV Rheinland daran beteiligt?

Als unabhängiger Prüfdienstleister haben wir zunächst den Auftrag, die Einhaltung bestehender Normen und Standards zu kontrollieren – sei es im staatlichen oder privatwirtschaftlichen Auftrag. So haben unsere Mitarbeiter in praktisch jedem Themenfeld eine hohe Kompetenz entwickelt. Wir sind daher immer wieder beratender Teil der Gremien, die Regelungen überarbeiten oder neu entwickeln. Wir sitzen mit dem Gesetzgeber, Branchenverbänden und Unternehmen am runden Tisch und helfen dabei, die bestmögliche Lösung für ein Problem zu finden, die dann zum Standard werden kann.

Was heißt „bestmöglich“?

Ein Standard muss die unterschiedlichen Interessen ausgewogen abbilden. So darf man es einerseits mit der Regulierung nicht übertreiben, sondern muss dem Fortschritt und der Kreativität Raum geben, innovative Dinge auszuprobieren. Andererseits dürfen dabei Leib und Leben niemals gefährdet werden. Es geht immer darum, den Kompromiss aus dem Gewollten und dem tatsächlich Machbaren zu finden. Die Verhandlungen in diesen Ausschüssen sind daher mitunter langwierig und auch mühsam. Und eine Garantie, dass überhaupt ein Konsens gefunden wird, gibt es nicht.

Verhindert das nicht den Fortschritt?

Nein. Technischer Fortschritt ist letztlich nur dann erfolgreich, wenn er Akzeptanz hat – und dafür ist Sicherheit Voraussetzung. Genau diesem Ziel dienen Normen und Standards und verbessern so Qualität in allen Lebensbereichen.

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