Psychische Belastungen in Deutschland nehmen zu - Faktor Arbeit häufigster Auslöser

Die psychische Belastung am Arbeitsplatz macht immer mehr Beschäftigte in Deutschland krank. Gestiegen ist die Zahl derer, die wegen einer psychischen Erkrankung eine Erwerbsminderungsrente beziehen. 2012 waren das rund 75.000 Arbeitnehmer, 2011 lag die Zahl knapp über 73.000. Die psychische Belastung ist mittlerweile auch die Ursache Nummer 1 für Fehlzeiten bei der Arbeit.

Permanenter Zeitdruck, mangelnde Wertschätzung, aber auch Unterforderung oder Überforderung sind dabei häufig genannte Belastungen. Der Gesetzgeber hat die Problematik erkannt: Seit September 2013 muss jeder Arbeitgeber unabhängig von der Branche oder der Unternehmensgröße im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung auch die psychischen Belastungen beurteilen und bewerten lassen.

Gesetzlich vorgeschrieben ist nur die Tatsache, dass die Gefährdungsbeurteilung umgesetzt werden muss. Die Art und Weise bleibt dem Arbeitgeber überlassen. Idealerweise werden Mitarbeiter persönlich gehört, sei es mithilfe von Fragebögen oder Interviews. Darin geht es um Arbeitsorganisation, Arbeitsinhalt, Arbeitsmittel und -umgebung sowie soziale Beziehungen. Viele Unternehmen sind im Umgang mit dem Thema psychische Belastung sehr unsicher, daher ist es für eine seriöse Analyse wichtig, diese extern begleiten zu lassen.

Seit 1973 verpflichtet das Arbeitssicherheitsgesetz Unternehmen dazu, sich in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz von Fachleuten beraten zu lassen. Seit 1996 gibt es zusätzlich das Arbeitsschutzgesetz und damit die Gefährdungsbeurteilung. Sie ist heute das zentrale Element des betrieblichen Arbeitsschutzes und umfasst vom Umgang mit Chemikalien bis hin zu psychischen Belastungen alle Gefährdungen am Arbeitsplatz. Ihre Aufgabe besteht darin, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Erkrankungen zu vermeiden.