Gottfried Bindl (58) ist ein waschechter Bayer. Am Starnberger See geboren, besuchte er das König-Ludwig-Gymnasium in Weilheim, absolvierte beim „Bund“ eine Offiziersausbildung und studierte anschließend in Aachen Maschinenbau. 1976 kam der Diplomingenieur zur damaligen TÜV Rheinland-Typprüfstelle, dem heutigen Technologiezentrum Verkehrssicherheit. Der amtlich anerkannte Sachverständige betreut unter anderem seit 1979 den Kölner Automobilbauer Ford. Einen Ausgleich zu seiner beruflichen Hightech-Welt findet Bartträger Bindl in der Musik – als Gitarrist in einer Rock-Band.
Das zwölfköpfige TÜV Rheinland-Team sitzt in einem eigenen Büro hautnah beim Kunden auf dem Ford-Werksgelände. „In enger Kooperation mit den Entwicklungsabteilungen sorgen wir dafür, dass die europäischen Behörden genau zum richtigen Zeitpunkt die Typgenehmigungen für Fahrzeuge erteilen“, sagt Bindl. „Bereits im Vorfeld checken wir deshalb rund 50 verschiedene Parameter nach den bestehenden Normen und Regelwerken. Die Palette reicht von den Bremsen über Beleuchtung und Emissionsverhalten bis hin zur passiven und aktiven Sicherheit inklusive Crashtests.“ Anschließend erstellen die TÜV Rheinland-Experten ein Gutachten für das komplette Auto. Bei Gas- oder Wasserstoff-Fahrzeugen schenken sie dabei den Tanks besondere Beachtung. Denn diese Bauteile müssen bei Erdgasfahrzeugen einen Druck von 200 bar, bei den zugelassenen Wasserstoff-Prototypen sogar 350 bar aushalten. Und die nächste Generation von 700-bar-Druckbehältern ist bereits in der Erprobung.
Außerdem unterstützt Bindls Mannschaft Ford auch bei der Entwicklung und Zulassung von Hybrid-Fahrzeugen und sogenannten Flex Fuel Vehicles, die neben Benzin auch Bio-Ethanol-Mischungen konsumieren können.
Gottfried Bindl leitet darüber hinaus den nationalen Sonderausschuss „Sicherheit von Gas- und Wasserstoff-Fahrzeugen“ im Fachausschuss Kraftfahrzeugtechnik (FKT), der das Bundesverkehrsministerium bei der Erarbeitung, Auslegung und Anwendung neuer Vorschriften berät. Als Ausschuss-Vorsitzender ist der TÜV Rheinland-Experte zudem auf europäischer Ebene maßgeblich am Entwurf für den technischen Teil der künftigen EU-Richtlinie für die Sicherheit von Wasserstoff-Fahrzeugen beteiligt.