Nobelpreisträger Prof. Günter Blobel in Görlitz

Der Neubau des TÜV Rheinland Privatschulzentrums in Görlitz trägt seit Mai 2004 den Namen des Medizin-Nobelpreisträgers Prof. Günter Blobel. Bei einem eintägigen Besuch in der Neiße-Stadt enthüllte der in New York lebende Zellforscher feierlich die Namenstafel.


Der Forscher, der vor vier Jahren für seine bahnbrechenden Arbeiten zu den molekularbiologischen Grundlagen der menschlichen Zelle den Nobelpreis für Medizin erhielt, lebte einst mit seiner Familie im sächsischen Freiberg. Dass er der Region seitdem sehr verbunden ist, zeigt sich in seinem langjährigen Engagement für die Dresdner Frauenkirche und die Leipziger Paulinerkirche.

Nach der feierlichen Enthüllung der Namenstafel an dem neuen Prof. Günter Blobel Haus durch den Nobelpreisträger wurde der Grundstein für ein grünes Klassenzimmer im Freien gelegt. Bei einem kurzen Rundgang durch das Gebäude präsentierte Schulleiter Stephan Scholz den Gästen eine neu konzipierte Dauerausstellung zu Leben und Wirken Professor Blobels. Vor der Veranstaltung hatte sich der Gast bereits in das goldene Buch der Stadt Görlitz eingetragen.

Arzt, Wissenschaftler und Medizin-Nobelpreisträger

Prof. Günter Blobel wurde 1936 im schlesischen Waltersdorf geboren und flüchtete 1945 mit seiner Familie nach Freiberg in Sachsen, wo er sein Abitur machte. Mit 18 Jahren begann er sein Medizinstudium in Frankfurt am Main, das er in München, Kiel, Freiburg und schließlich in Tübingen 1960 mit der Promotion abschloss. Prof. Blobel siedelte 1967 in die USA über, wo er an der Rockefeller Universität von New York seine bisherige wissenschaftliche Heimat fand. 1987 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Der Arzt und Wissenschaftler erhielt den Nobelpreis für Medizin im Jahr 1999 für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der molekularbiologischen Grundlagen der menschlichen Zelle. So entdeckte Prof. Blobel, dass neugebildete Proteine, also Eiweiße, eine Art Adresse besitzen, mit der sie ihren Wirkort in der Zelle finden. Diese Prinzipien zellulärer Transportprozesse tragen u.a. zum besseren Verständnis bestimmter Krankheiten wie der Alzheimer-Erkrankung, der Mukoviszidose und möglicherweise auch von Krebs bei.

In Deutschland war Prof. Günter Blobel bis zur Verleihung des Nobelpreises relativ unbekannt, in den USA hingegen zählte er schon lange zu den bedeutendsten Vertretern seines Fachs. So ist er seit 1994 Mitglied der amerikanischen National Academy of Science und zahlreichen Auszeichnungen runden das Bild eines bedeutenden Wissenschaftlers und Menschen ab. Günter Blobels Hobbys sind klassische Musik sowie seine Liebe zu Dresden. Im Juni 2000 stiftete er 1,6 Millionen Mark seines Nobel-Preisgeldes für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche sowie 100.000 Mark für die jüdische Synagoge in Dresden. Er ist Präsident des 1995 gegründeten Vereins Friends of Dresden.

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