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Elke Fischer
Elke Fischer arbeitet seit 1.Juni 2006 als Medizinische Kodier- und Dokumentationsassistentin in der Schlosspark-Klinik in Berlin Charlottenburg. Sie ist hier für die Kodierung der Krankenakten in der Inneren Abteilung und der Rheumaabteilung zuständig.
Elke Fischer im Interview
Frau Fischer, das Berufsbild „Medizinische Kodier- und Dokumentationsassistentin“ existiert ja erst seit wenigen Jahren, wie sind Sie dazu gekommen?
Ich habe fast zwanzig Jahre als Kinderkrankenschwester gearbeitet. Irgendwann hat sich meine Einstellung zu diesem Beruf geändert. Negative Erlebnisse, die ich früher als Teil meines Berufes betrachtet habe, belasteten mich zunehmend und gingen mir oft sehr nah. Außerdem kam hinzu, dass mir der Schichtdienst irgendwann zu anstrengend wurde.
Sie wollten also ihren Beruf wechseln. Warum haben Sie sich gerade für Medizinische Kodier- und Dokumentationsassistentin entschieden?
Bei meiner Arbeit im Krankenhaus habe ich mitbekommen, dass der Beruf als Dokumentationsassistentin seit der Gesundheitsreform sehr stark im Kommen ist. Auch wenn ich nicht mehr als Krankenschwester arbeiten wollte, habe ich doch etwas gesucht, was nah an meinem alten Beruf dran ist. Im Oktober 2004 habe ich dann den Mut gefasst und meine Stelle aufgegeben, mit dem Ziel mich zur Medizinischen Kodier- und Dokumentationsassistentin weiterbilden zu lassen.
Was meinen Sie mit „im Kommen“?
Ich kenne mittlerweile kein Krankenhaus mehr, in der es keine Medizinische Kodier- und Dokumentationsassistentin gibt. Was auch sinnvoll ist, weil die Ärzte mit der Dokumentationsarbeit vollkommen überlastet sind.
Warum werden denn Medizinische Kodier- und Dokumentationsassistenten gebraucht?
Die Krankenhäuser müssen seit der Einführung des Abrechnungssystems nach Fallpauschalen ihre medizinischen Leistungen kodieren und dokumentieren, sonst bekommen sie kein Geld von den Krankenkassen. Diese Arbeit erfordert viel Zeit, die die Ärzte meist nicht haben, da sie sich ja auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren müssen. Pro Tag bekomme ich bis zu 25 Krankenakten auf den Tisch. Die Arbeit an einer Akte kann fünf Minuten oder auch mal drei Stunden dauern. Wenn ein Arzt diese Arbeit erledigt, muss er ständig Überstunden machen. Ich bin speziell für diesen Beruf ausgebildet, kenne die Kodierrichtlinien. Wenn ich eine Akte durchblättere sehe ich recht schnell, wo das Krankenhaus noch Geld erlösen könnte. Wenn Ärzte Überstunden machen, kostet es das Krankenhaus schließlich mehr. Außerdem ist es ein Vorteil, dass das Qualitätsmanagement aus einer Hand erfolgt.
Wo liegt ihr Verantwortungsbereich im Krankenhaus genau?
Ich bin für zwei Stationen, circa 15 Ärzte und 92 Betten zuständig. Wenn ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird, kommt seine Krankenakte mit Arztbrief zu mir. Die Akte enthält alle Informationen, die das Krankenhaus über die Behandlungen hat. Das können zum Beispiel Laborbefunde sein, die Untersuchungen, die gemacht wurden oder Anmerkungen der Krankenschwestern. Ich sehe mir jedes einzelne Blatt der Akte an und suche die Sachen heraus, die entsprechend der Kodierregeln verschlüsselt werden müssen. Danach gibt entweder der Oberarzt oder ich selbst den Fall frei und die Finanzbuchhaltung schreibt die Rechnungen für die Krankenkassen. Zusätzlich bin ich noch für die externe Qualitätssicherung und das Krebsregister im Krankenhaus zuständig.
Wie hat der Berufseinstieg nach der Weiterbildung geklappt?
Ich hatte wirklich Glück. Meine Vorgesetzte aus dem medizinischen Controlling hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine Medizinische Kodier- und Dokumentationsassistentin einzustellen. Sie hat gesehen auf welchen Stationen es Defizite gibt, welche Geld verlieren. Deswegen hat sie sich bei der TÜV Rheinland Akademie erkundigt, ob die ihr nicht erst mal eine Praktikantin vermitteln können. Schon am dritten Tag meiner Weiterbildung hat mich Sabine Ahrend, die Zuständige der TÜV Rheinland Akademie in Hohen Neuendorf, angerufen und gefragt, ob ich nicht Interesse an einem Praktikum in der Schlosspark-Klinik hätte. Ich habe natürlich zugesagt und ab Januar parallel zur Weiterbildung in der Klinik gearbeitet. Die Ärztin hat lange um die Einrichtung dieser Stelle gekämpft. Am letzten Praktikumstag hat sie mir die Stelle zugesagt und ich bekam einen Ein-Jahresvertrag.
Sie konnten den Kurs belegen und nebenbei arbeiten?
Ja. Die Weiterbildung war speziell für Berufstätige ausgelegt. Deswegen fanden die Kurse dienstagabends und samstags statt.
Wie sind Sie auf das Angebot der TÜV Rheinland Akademie gestoßen?
Ehrlich gesagt bin ich durch Zufall auf einen Flyer gestoßen, der die Weiterbildung der TÜV Rheinland Akademie angekündigt hat. Ich habe mich bei der Agentur für Arbeit erkundigt, ob sie mir diesen Kurs fördern. Ganz leicht war es nicht, aber sie haben zugesagt. Ich hätte mich aber auch so für diese Weiterbildung entschieden, auch ohne Förderung.
Die Weiterbildung dauerte ein halbes Jahr. War die Zeit ausreichend, um alle relevanten Inhalte vermittelt zu bekommen?
Im Gegensatz zu den Angeboten anderer Weiterbildungsträger hat sich der Kurs der TÜV Rheinland Akademie auf die relevanten Aspekte meiner täglichen Arbeit konzentriert. Wir hatten von „Paragraphenpauken“, also Gesetzeskunde bis hin zu den Kodierrichtlinien alle Inhalte. Außerdem gab es noch einen sehr wichtigen praktischen Teil, bei dem wir auf unsere Arbeit am Computer vorbereitet wurden. Wir haben genau an dem Programm gelernt, mit dem ich jetzt auch im Krankenhaus arbeite: DIACOS.
Wer waren die anderen Teilnehmer?
Wir waren insgesamt 14 Teilnehmer, von denen vier arbeitssuchend waren und aus eigenem Antrieb die Weiterbildung machen wollten. Die anderen Teilnehmer kamen aus Krankenhäusern, die dringend Medizinische Kodier- und Dokumentationsassistenten suchten und sich entschlossen haben, eigene Mitarbeiter weiterzubilden. Dabei kamen nicht alle Teilnehmer nur aus Berlin, selbst eine Wismarer und eine Schwedter Klink haben Mitarbeiter zu der Weiterbildung geschickt.
Aus heutiger Sicht: Hat Sie die Weiterbildung gut auf ihre jetzige Arbeit in der Schlosspark-Klinik vorbereitet?
Auf jeden Fall. Wir sind wirklich darauf geschult, was wir hier in der Praxis machen müssen. Die Schulungen werden von Ärzten durchgeführt und die konnten aus Erfahrung sagen, welche Punkte ihnen wichtig sind. So haben uns die Dozenten auch beigebracht, wie wir auf die Ärzte zugehen müssen. Diese Ratschläge befolge ich jetzt bei meiner täglichen Arbeit.
Zum Abschluss möchten wir noch gern wissen, ob sich der Wechsel für Sie gelohnt hat?
Ich habe jetzt einen klassischen Bürojob mit festen Arbeitszeiten von 8 bis 16 Uhr, was für mich ein wichtiger Grund für die Weiterbildung war. Die Arbeit als Krankenschwester im Schichtdienst war oft frustrierend. Nach der Gesundheitsreform hat man seine Arbeit nicht mehr geschafft, weil es zu wenig Schwestern gab. Seit ich meine neue Arbeitsstelle angetreten habe, geht es mir viel besser.
