2. Medikamente im Straßenverkehr
Anders als beim Alkoholkonsumenten, bei dem erst bei einem bestimmten problematischen Verhaltensmuster (Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit) die Anforderungen an das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges als nicht mehr erfüllt gelten, wird bei Drogenkonsumenten jegliche Einnahme von Drogen als Ausschlusskriterium für die Fahreignung angesehen.
Ausnahmen gibt es nur für die bestimmungsgemäße Einnahme eines für den konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels sowie für den gelegentlichen Cannabiskonsum, wenn Konsum und Fahren getrennt werden können.
Die unterschiedliche Beurteilung der Fahreignung bei Konsum von Drogen im Straßenverkehr im Gegensatz zum Alkoholkonsum ist auf die folgenden Faktoren zurückzuführen:
1. Auf die höhere Gefährlichkeit von Drogen, weil mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als beim Konsum von Alkohol zu erwarten ist, dass sich ein problematisches Konsummuster herausbildet, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt oder dass es zu lebensgefährlichen Fehldosierungen kommt.
2. Auf die fehlende subjektive Wirkungskontrolle bei Drogen, da diese Substanzen ihre Wirkung bereits nach dem Konsum von oft sehr kleinen Mengen entfalten. Es ist in der Regel nicht möglich, den Wirkungsverlauf durch die Begrenzung der Konsummengen zu steuern. Darüber hinaus führt der weit verbreitete Mischkonsum verschiedener Drogen zu unvorhersehbaren Wirkungen. Zusätzlich wird die Wirkungskontrolle durch atypische Rauschverläufe und Nachhalleffekte in der Nachrauschphase erschwert. Ein Drogenkonsument muss stets damit rechnen, dass nach Drogenkonsum unerwartet neue, bisher für ihn unbekannte Wirkungsweisen auftreten.
3. Auf die Illegalität der Drogen. Durch die Bedingungen des illegalen Marktes und einer illegalen Beschaffung der Drogen hat der Konsument keine verlässlichen Informationen über Wirkstoffgehalt und Reinheitsgrad des angebotenen Stoffes.
a) Haschisch (Cannabis, Heroin)
Haschisch (wissenschaftlicher Name: Cannabis) gehört neben dem Alkohol und dem Tabak zu den am weitesten verbreiteten rauscherzeugenden Stoffen.
Wie sieht der typische Haschischrausch bei einmaligem Konsum aus?
Es kommt zu:
Bei einem atypischen Haschischrausch kommt es zu:
Körperliche Wirkungen des Haschischrausches, die für die Fahrtauglichkeit besonders relevant sind:
Abhängigkeit von Haschisch
Bei häufigem Konsum von Haschisch kann sich eine Abhängigkeit herausbilden, und zwar eine mäßige bis deutliche psychische Abhängigkeit von der angestrebten Wirkung, ohne dass es zu einer körperlichen Abhängigkeit kommt und ohne dass sich körperliche Entzugserscheinungen ausbilden. Die Tendenz zur Dosissteigerung ist in diesem Fall gering ausgeprägt. Haschisch kann nach längerem Konsum auch Psychosen (schwere psychische Krankheiten, meist vom Typ der Schizophrenie) auslösen. Solche Psychosen können in chronische Verläufe einmünden, die von Schizophrenien nur schwer zu unterscheiden sind.
Entzugserscheinungen bei Haschischabhängigkeit sind:
Einstellungs- und Wesensveränderungen durch Haschisch:
Bei länger dauerndem Haschischkonsum entwickelt sich in vielen Fällen ein „amotivationales Syndrom“ (AMS) mit den folgenden Symptomen:
b) Heroin
Heroinwirkungen, die für die Fahrtüchtigkeit relevant sind:
Entzugssymptomatik im abklingenden Rausch:
Heroinabhängigkeit
Nur wenige Einzelmengen Heroin sind erforderlich, um eine Abhängigkeit hervorzurufen. Diese Abhängigkeit ist sowohl seelischer als auch körperlicher Art. Sie tritt innerhalb von Tagen auf, die in dieser Zeit benötigte Dosissteigerung ist erheblich.
Entzugserscheinungen bei Abhängigkeit:
Eine Ausweitung der Entzugserscheinungen wird oft durch die Einnahme von Ersatzstoffen (z.B. Schlaf- und Beruhigungsmittel oder Alkohol) vermieden.
c) Opiate (Methadon, Codein)
Bei Opiaten bzw. Opioiden handelt es sich sämtlich um Schmerzmittel wie Valoron, Fortral, L-Polamidon und Dolantin. Nur beim Codein steht die hustenstillende Wirkung im Vordergrund. Eines der bekanntesten Opiate ist das Methadon. Hierbei handelt es sich um einen morphinähnlichen Stoff, der in flüssiger oder Tablettenform eingenommen werden kann. Es wirkt vor allem schmerzstillend und beruhigend, unterdrückt aber auch die Atmung. Es beseitigt die Opiatentzugserscheinungen für die Dauer von etwa 16 Stunden und macht bei längerem Gebrauch abhängig. Entzugserscheinungen treten später auf und dauern länger als beim Heroin. Das Mittel wird als Ersatzdroge für Heroin im Rahmen sogenannter Methadonprogramme gegeben. Die Sucht bleibt dabei erhalten, aber eine gewisse soziale Anpassung gelingt einzelnen Süchtigen im Rahmen solcher Programme offenbar leichter.
Methadonkonsum kann zu Veränderungen im Entscheidungsverhalten und zu Wahrnehmungsstörungen führen. Außerdem kann es die Reaktionsgeschwindigkeit beeinträchtigen.
Opiate sollten medizinische Anwendung nur bei stärksten Schmerzzuständen finden, die anders nicht zu beherrschen sind. Dabei wird die Empfindung des Schmerzes nicht vollständig aufgehoben, aber seine quälende Qualität wird gemildert. Die Ursache des Schmerzes wird natürlich nicht beseitigt. Daneben beeinträchtigen Opiate die geistige Leistungsfähigkeit. Weitere wichtige Wirkungen sind die Erzeugung von Hochgefühl und die Beseitigung von Angst, Anspannung und Unlust.
Wie bei den meisten Schmerzmitteln besteht auch bei den Opiaten ein Zusammenhang zwischen starker schmerzstillender und stark suchterzeugender Wirkung. So ist die suchterzeugende Wirkung des Morphins eine seiner Hauptnebenwirkungen. Seelische und körperliche Abhängigkeit tritt innerhalb von Tagen auf. Sehr schnell gewöhnt man sich an die Hauptwirkungen. Der Körper akzeptiert wesentlich mehr Substanz (Toleranz); damit geht eine erhebliche Neigung zur Dosissteigerung einher.
Codein und Dehydrocodein sind Opiatpharmaka, die in Hustenmitteln enthalten sind. Die schmerzlindernde Wirkung und das Suchtpotential sind bei therapeutischer Anwendung eher gering. Codein und Dehydrocodein werden jedoch von Drogensüchtigen häufig missbraucht.
d) Kokain und Crack
Reines Kokain wird meist durch die Nase geschnupft („gesnifft“).
Die Mischung von Kokain und kohlensaurem Natron bezeichnet man als Crack. Es wird aus speziellen Pfeifen geraucht, wodurch sich die kokainspezifischen Wirkungen beträchtlich verstärken. Crack wirkt extrem schnell, der Rausch setzt innerhalb von Sekunden ein und führt zu einem überwältigenden »High«-Gefühl. Die stark ausgeprägte Euphorisierung birgt ein besonders hohes Suchtpotenzial, das weitaus höher liegt als bei reinem Kokain.
Kokainrausch bei einmaligem Konsum:
1. Körperliche Wirkungen:
2. Psychische Wirkungen des eigentlichen Kokainrausches
Der Kokainrausch ist wegen des starken Aktivitätsdranges bei allgemeiner Enthemmung mit gleichzeitig herabgesetzter Selbstkritik einer der gefährlichsten Rauschzustände für Kraftfahrer.
Das erste Stadium des Kokainrausches kann Stunden anhalten, bis es langsam umschlägt in Ängste und Unlust.
Der ausklingende Kokainrausch zeigt sich durch
Wirkungen bei häufigem Konsum von Kokain
Es kann sich eine psychische Abhängigkeit herausbilden. Die Dosis wird gesteigert, und der Körper verträgt im Laufe der Zeit mehr Stoff als am Anfang. Im Rahmen der Abhängigkeit kommt es zu
Eine besondere Gefahr der Kokainabhängigkeit besteht darin, dass die Droge schizophrenieähnliche Psychosen auslösen kann. Diese Krankheiten sind zwar grundsätzlich behandelbar, in schweren Fällen aber kaum zu beeinflussen.
Beim Absetzen der Droge kommt es zu starken psychischen Entzugszeichen:
e) Designerdrogen (Ecstasy, Eve)
Man bezeichnet jene Stoffe als Designerdrogen, deren chemische Struktur mit den jeweils erwünschten Wirkungseigenschaften gewissermaßen am Reißbrett entworfen (designed) wurde.
Am populärsten ist in den letzten Jahren der Stoff geworden, der u.a. unter der Bezeichnung Ecstasy gehandelt wird. Der chemische Name lautet Methylen-Dioxy-Methyl-Amphetamin (MDMA). Neben der Designerdroge Ecstasy sind auch die verwandten Stoffe MDE (Methylen-Dioxy-Ethylamphetamin, Eve) und MDA (Methylen-Dioxy-Amphetamin) im illegalen Handel erhältlich; oft wird zwischen diesen drei Stoffen auch gar nicht unterschieden, zumal Wirkung und Preise weitgehend identisch sind.
Psychische Wirkungen
Innerhalb einer halben Stunde nach der Einnahme kommt es zu folgenden für die Fahrtüchtigkeit relevanten Wirkungen:
Körperliche Wirkungen
Herzversagen und Todesfälle durch Kreislaufzusammenbrüche sind vereinzelt beschrieben worden.
f) Phencyclidin (PCP)
Phencyclidin erzeugt ähnliche Wirkungen wie Designerdrogen. In der Szene gibt es verschiedene Bezeichnungen: Angel Dust, Peace Pill, Superpot. Damit ist die entspannende, stimmungsanhebende, aber auch anregende Wirkung der Droge beschrieben.
Fahreignungsrelevante Wirkungen:
Vergiftungszustände durch Überdosierung führen zu:
Während dem Drogenproblem in der Öffentlichkeit ein breiter Raum eingeräumt wird, - wie die Schlagzeilen über Drogentote oder über Drogenprobleme prominenter Künstler immer wieder zeigen -, ist das Problem des Medikamentenmissbrauchs bzw. der Medikamentenabhängigkeit vielen Menschen gar nicht bewusst.
Medikamente haben ohne Zweifel ein positives Image. Sie werden zur Wiederherstellung der Gesundheit und der Arbeitsfähigkeit eingenommen.
Die Medikamentenproblematik ist komplizierter zu erkennen und zu handhaben als die Drogenproblematik. Die Betroffenen sind meist völlig ohne Problembewusstsein, vor allem, wenn die Arzneien vom Arzt verordnet sind.
Aber auch die Selbstmedikation muss als großes Problem angesehen werden.
Schmerzmittel sind die meist verkauften Arzneimittel in der Bundesrepublik. Insgesamt werden rund 70% aller Schmerzmittelpackungen ohne Rezept in der Apotheke verkauft. Die Folge ist ein hoher Anteil des Schmerzmittelkonsums ohne ärztliche Kontrolle.
Die Entwicklung einer Medikamentenabhängigkeit ist ein Prozess, dessen Zeitdauer und Intensität abhängig ist von der Art des enthaltenen Wirkstoffes, der Höhe der Dosis und der individuellen Empfindlichkeit. Arzneimittel, die süchtig machen, sind Medikamente mit psychotroper Wirkung, d.h.
- der Hauptwirkungsort liegt im zentralen Nervensystem (Rückenmark, Gehirn),
- die psychischen Prozesse, z. B. die Wahrnehmung oder das Empfinden von Gefühlen, sind verändert.
Wann spricht man von Medikamentenmissbrauch und wann von -abhängigkeit?
Man unterscheidet zwischen Gewohnheitsbildung, Gewöhnung und Sucht. Fließende Übergänge erschweren eine strenge Abgrenzung.
Gewohnheitsbildung:
Die Gewohnheitsbildung ist charakterisiert durch die regelmäßige Einnahme eines bestimmten Mittels, um einen euphorischen oder beruhigenden Zustand zu erreichen. Dieses Einnahmeverhalten unterstützt eine psychische Abhängigkeit, während eine körperliche Abhängigkeit nicht vorhanden ist. Es treten beim Absetzen auch keine körperlichen Entzugssymptome auf. Der Drang nach Dosissteigerung ist eher gering.
Gewöhnung:
Im Unterschied hierzu ist die Gewöhnung oder Toleranzerhöhung mit der Tendenz verbunden, die Dosis zu erhöhen, um die gleiche Wirkung wie zu Beginn der Verwendung des Mittels zu erreichen. Gewöhnung und Toleranzerhöhung führen in die Sucht.
Sucht:
Zur Sucht gehören:
a) Tranquilizer
Als Tranquilizer bezeichnet man benzodiazepinhaltige Schlaf- und Beruhigungsmittel wie z.B. Valium, Tavor, Lexotanil, Adumpran, Rohypnol, Remestan.Benzodiazepinhaltige Schlaf- und Beruhigungsmittel haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Sie gehören trotz rückläufiger Tendenz immer noch zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln.
Wirkung der Tranquilizer:
Entsprechend der Anhäufung des Wirkstoffes im Körper können »Hangover-Effekte« auftreten, d.h. das eingenommene Medikament wirkt am nächsten Morgen noch nach, ähnlich wie es beim Restalkohol der Fall ist.
Verkehrsrelevante Wirkungen:
Als Entzugssymptome treten häufig genau die Beschwerden auf, die der Anlass für die Einnahme waren.
b) Barbiturate
Barbiturate sind starke Beruhigungs- und Schlafmittel wie Medinox mono oder Neodorm sowie Kombinationspräparate wie Bellergal, Sedovegan.
In geringer Dosierung nehmen sie Ängstlichkeit und Anspannung und wirken beruhigend. Bei Verkrampfungen entfalten sie eine muskelentspannende Wirkung. In höherer Dosierung werden sie als Betäubung bei operativen Eingriffen angewandt. Bei regelmäßigem Gebrauch lassen die gewünschten Wirkungen schon nach etwa zwei Wochen nach. Eine Erhöhung der Dosis ist dann vorprogrammiert, aber gefährlich, da u.a. Vergiftungsgefahr besteht.
Verkehrsrelevante Wirkungen:
Barbiturate haben ein starkes Abhängigkeitspotenzial. Beim Absetzen des Medikaments kommt es zu massiven Entzugssymptomen wie Angstzuständen, stetige Unruhe, Schlaflosigkeit bis hin zu Krämpfen.
c) Analgetika
Analgetika sind Schmerzmittel, die Codein und/oder Coffein enthalten, wie z.B. Thomapyrin, SpaltN, Doppelspalt, Titralgan, Vivimed, Neuralgin, Paacodin/retard, Gelonida.
Bei den Schmerzmitteln gilt es zu unterscheiden zwischen Monopräparaten und Kombinationspräparaten, die neben dem schmerzstillenden Wirkstoff einen Zusatzstoff wie Koffein oder Codein enthalten. Neben den frei verkäuflichen Schmerzmitteln gibt es die stark wirksamen Schmerzmittel, die verschreibungspflichtig sind. Diese werden z. B. bei Krebserkrankungen, Nieren- und Gallenkoliken oder Migräne eingesetzt. In der dritten Kategorie gibt es Schmerzmittel, die Opiate enthalten und unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Sie machen hochgradig abhängig und werden in der Regel nur bei unheilbaren Krankheiten, die mit stärksten Beschwerden einhergehen, verordnet.
Schmerzmittel werden nicht immer nur gegen Schmerzen genommen. Bei Schmerzmitteln mit Koffein wird neben der schmerzstillenden Wirkung der belebende Effekt durch das Koffein gesucht. Kombinationen mit Koffein oder Kodein erhöhen durch ihre stimulierende Wirkung das Risiko einer Gewöhnung an das Medikament. Nach dem Absetzen von koffeinhaltigen Medikamenten können Kopfschmerzen als Entzugssymptome auftreten. Da dieser Effekt zeitverzögert auftritt, werden diese Beschwerden nicht als Entzugssymptome gewertet, sondern als Grund genommen, den Schmerzmittelkonsum mit erhöhter Dosierung fortzusetzen. Durch Kombinationspräparate besteht das Risiko einer Nierenschädigung.
Verkehrsrelevante Wirkungen bei regelmäßigem Konsum von Schmerzmitteln:
d) Neuroleptika
Neuroleptika sind Medikamente, die vor allem bei Psychosen eingesetzt werden, wie z.B. lmap, Atosil, Melleril, Eunerpan, Haldol.
Die Indikation für Neuroleptika sind psychotische Störungen wie Wahnerlebnisse, Halluzinationen und Übererregung bei Schizophrenie. Diese zur Beruhigung eingesetzten Medikamente beeinflussen intensiv das psychische Empfinden. Gefühlsmäßige Regungen sind stark eingeschränkt, die Patienten sind wie „in Watte gepackt“. Andauernde Müdigkeit, Interessensarmut und eine herabgesetzte Stimmungslage kennzeichnen die Nebenwirkungen dieser Medikamente. Neuroleptika machen nicht körperlich abhängig. Sie sind aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen nur bei begründeter Indikation eine Alternative zu anderen Psychopharmaka.
e) Antidepressiva
Antidepressiva sind Arzneimittel, die Symptome des depressiven Syndroms lindern, wie Saroten, Laroxyl, Aponal, Sinquan, Insidon, Ludiomil, Noveril, Anafranil, Tofranil.
Diese Medikamente werden im Umgangssprachgebrauch auch als „rosarote Brille für die Seele“ bezeichnet. Diese Umschreibung beschreibt bereits die Wirkung. Sie ermöglichen persönliche Funktionalität und Belastbarkeit trotz Stress und Missbefindlichkeiten im Alltag.
Bei Antidepressiva sind Absetzsymptome beobachtet worden. Zudem haben manche dieser Medikamente starke Nebenwirkungen. Unter der Einnahme kann es zu unwillkürlichen Zitterbewegungen, Störungen der Herztätigkeit, Mundtrockenheit und Sehstörungen kommen.
f) Psychostimulantien
Psychostimulantien sind Mittel, die Amphetamine enthalten. Sie werden auch „Weckamine“ genannt. Vertreter sind z.B. Captagon, Reactivan, Katovit, recatol, Ponderax.
Diese Medikamente werden zur Überwindung von Müdigkeit, in erster Linie zum Aufputschen genommen. Da sie auch das Hungergefühl unterdrücken, sind sie zusätzlich als Appetitzügler im Einsatz. Durch ihre aufputschende Wirkung vermitteln sie das Gefühl erhöhter Leistungsbereitschaft. Sie sind daher auch bei Berufstätigen beliebt, die ständig Termindruck haben und dauerhaft ein überdurchschnittliches Leistungspensum erbringen müssen. Die Mittel enthalten Amphetamine. Diese Arzneimittel haben ein hohes Suchtpotenzial. Sie stellen ein erhöhtes Risiko dar, da die Konsumierenden zur Selbstüberschätzung neigen und, wenn die Wirkung des Medikamentes nachlässt, ganz plötzlich eine Schlafattacke haben können.
Die Einsicht, medikamentenabhängig zu sein und selber etwas dagegen tun zu müssen, ist ein sehr langwieriger Prozess. Die Abwehr dagegen ist stark. Bei den Personen, die eine »Niedrig-Dosis-Abhängigkeit« haben, werden Auffälligkeiten kaum sichtbar. Ihr Verhalten würde sich erst stark verändern, wenn ihnen die niedrige Dosis verwehrt würde. Hier findet jedoch in der Regel keine Intervention statt, da die geringe Menge kaum Argwohn erzeugt. Die folgenden Auffälligkeiten beziehen sich daher vornehmlich auf Menschen, die eine Medikamentenproblematik mit Steigerung der Dosis entwickelt haben. Auch für diesen Personenkreis gilt: Dramatische Auffälligkeiten sind eher selten. Leistungseinschränkungen über lange Zeiträume prägen dagegen häufiger das Erscheinungsbild.
Manche Menschen beginnen häufig mit der Einnahme von Medikamenten - z.B. Psychopharmaka und Schmerzmittel - um Belastungen auszuhalten und gut zu »funktionieren«. Die Medikamente werden verschrieben und die Patientinnen und Patienten haben das Gefühl, das Richtige für sich zu tun. Dementsprechend ist kein Gefühl vorhanden, sich davon wieder lösen zu müssen.
Mögliche Auffälligkeiten im Leistungsverhalten bei der Einnahme von Psychostimulantien
Mögliche Auffälligkeiten im Sozialverhalten:
Mögliche Auffälligkeiten im Gesundheitsbild: