TÜV Rheinland überprüft in Japan die radiologische Situation öffentlicher Einrichtungen

28.11.2011Minamisoma / Köln

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Fachleute von TÜV Rheinland haben in Minamisoma in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi unabhängig den Erfolg von Maßnahmen zur Dekontamination evaluiert. Dazu haben sie umfassende Messungen vor Ort durchgeführt. Die Ergebnisse sind für die Bevölkerung und die Behörden beruhigend: Die Gesamtbewertung durch TÜV Rheinland zeigte deutlich, dass die Dekontamination der erfassten Einrichtungen insgesamt erfolgreich war. An einigen Stellen wurden noch erhöhte Strahlungswerte festgestellt. Die praktischen Empfehlungen unserer Experten sind jedoch dazu geeignet, mögliche Risiken der Strahlung künftig zu minimieren.

Minamisoma erstreckt sich bis in die 20-Kilometer-Evakuierungszone von Fukushima und wies nach dem Unfall erhebliche radioaktive Kontaminationen auf. Tausende Familien mussten ihre Häuser verlassen, anderen folgten aufgrund der überaus kritischen Lage. Stark erhöhte Strahlungswerte auch in Bereichen außerhalb der offiziellen Evakuierungszonen lösten große Unsicherheit in der örtlichen Bevölkerung aus. Daraufhin wurde seit August 2011 ein umfassender Dekontaminierungsplan umgesetzt. Im Zentrum standen dabei zunächst Kindergärten und Schulen sowie öffentlichen Einrichtungen. Seitdem wurden große Anstrengungen unternommen, kontaminierte Straßen, Gebäude, aber auch öffentliche Plätze und Spielplätzen zu säubern. Hierzu wurden bereits tausende Tonnen Erdreich entfernt, um die vom kontaminierten Boden ausgehende Strahlenexposition zu reduzieren. Ferner wurde versucht, mit erheblichem Aufwand radioaktive Kontaminationen mit Wasser von Betonfassaden, Dächern und Wänden abzuwaschen.

Öffentliche Gebäude untersucht

TÜV Rheinland wurde von der Stadtverwaltung Minamisoma beauftragt, eine Bewertung der durchgeführten Dekontaminationsmaßnahmen vorzunehmen. Im Oktober 2011 wurden dazu vier Einrichtungen in Minamisoma ausgewählt: ein Kindergarten, eine Kinderpflegestation, eine Grundschule und eine weiterführende Schule. Das Untersuchungsteam wurde durch Strahlenschutzexperten von TÜV Rheinland aus Deutschland und aus Japan gebildet. Die Untersuchung hat TÜV Rheinland kostenlos für die Stadtverwaltung durchgeführt.

Strahlenschutzexperte Dr. Jens-Uwe Schmollack:. „Wir wollen mit unserer Unterstützung zielgerichtet einen nützlichen Beitrag im Namen deutscher Unternehmen leisten und dabei helfen, die radiologische Situation für die Bevölkerung dauerhaft zu verbessern und transparent zu machen. Dabei können wir auch auf Erfahrungswerte setzen, die wir nach dem schweren Unfall in Tschernobyl sammeln konnten.”

Die Messungen der Fachleute vor Ort umfassten Dosisleistungsmessungen an und in den Gebäuden, im Außenbereich, an den Spielplätzen, Sportanlagen und auch den angrenzenden Flächen. Erfasst wurden von den Experten bei den Screenings mit empfindlichen Messgeräten nicht nur durchschnittliche Werte, sondern auch minimale und maximale Dosisleistungswerte.

Darüber hinaus wurden Messungen der Oberflächenkontaminierung innerhalb und außerhalb der Gebäude – vor allem an Gegenständen, mit denen Kinder in Berührung kommen könnten – mit sensiblen Kontaminationsmonitoren durchgeführt. Zusätzlich wurden zahlreiche Boden- und Wasserproben sowie Staubproben aus der Luft zur weiteren Laboruntersuchung genommen.

Antworten auf konkrete Fragen zur Nutzung der öffentlichen Einrichtungen

Die Experten von TÜV Rheinland entwickelten verschiedene Nutzungs- und Aufenthaltszenarien, die es erlauben, anhand der Messergebnisse die zu erwartende Strahlenexposition gesondert für jede Einrichtung zu bestimmen. Welche zusätzliche Strahlendosis würden Schulkinder der untersuchten Schule in einem Jahr erhalten? Können sie sicher im Sandkasten spielen oder die Rutsche benutzen? Was ist mit Holzoberflächen von Tischen und Spielgeräten im Freien, die radioaktive Kontaminationen gespeichert haben? Ist eine erneute Kontamination, die von der bislang nicht dekontaminierten Umgebung kommen könnte, möglich und was ist zu tun? Diese und weitere Fragen wurden von TÜV Rheinland in ausführlichen Berichten für jede untersuchte Einrichtung beantwortet. Basierend auf den Befunden werden in den Berichten auch Empfehlungen für weitere Strahlenschutzmaßnahmen gegeben.

Die Berichte von TÜV Rheinland wurden der Stadtverwaltung von Minamisoma in einem Treffen übergeben und ausführlich vorgestellt. Letztendlich konnte auf Basis der Berichte nachgewiesen werden, dass der Aufenthalt in den untersuchten Einrichtungen kein Sicherheitsrisiko für die Kinder darstellt.

Die Evaluierung durch TÜV Rheinland hatte in Japan eine große Wirkung. Konkret konnte in den Schulen der Unterricht wieder aufgenommen werden. Davon partizipieren nicht nur die Schüler aus der unmittelbaren Region, sondern besonders auch Schüler aus den evakuierten Bereichen, die jetzt zusätzlich in den Schulen aufgenommen wurden. So haben die Untersuchungen dazu beigetragen, das Leben der Menschen in der von der Katastrophe betroffenen Region wieder etwas mehr zu normalisieren.

Link zu Sonderseite "Informationen für Unternehmen zur radiologischen Lage in Japan"

Rolf Vesenmaier
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