Alternative Kraftstoffe – Bio-Diesel und Co.

Weg vom Öl – eine Übersicht regenerativer Kraftstoffe

Die Zukunft heißt: weg vom Öl. Deshalb kommt regenerativen (nachwachsenden) Kraftstoffen wie Bio-Diesel oder Bio-Ethanol eine immer größere Bedeutung zu.


Wissenschaftler forschen außerdem an synthetischem Sprit wie BTL (Biomas-to-Liquid) oder GTL (Gas-to-Liquid).

Bio-Diesel – nur nach Freigabe durch den Motorenhersteller

  • Herstellung:
    Der Kraftstoff wird aus Pflanzenölen oder tierischen Fetten gewonnen. Aus rund drei Tonnen Raps lässt sich etwa eine Tonne Rapsöl pressen. Dies entspricht einem Heizwert von 10.000 Kilowattstunden (kWh) oder als Kraftstoff etwa 1000 Liter Diesel.
  • Umweltbilanz:
    Bio-Diesel gibt nur so viel CO2 ab, wie die Pflanze bei ihrem Wachstum aufgenommen hat. Kritiker halten jedoch der positiven Umweltbilanz einen hohen Energieverbrauch bei der Verarbeitung zu Bio-Diesel, oder besser: Rapsölmethylester (RME), sowie einen starken Flächen- und Düngemittelbedarf entgegen.
  • Fahrzeugbetrieb:
    RME besitzt chemische Eigenschaften, die in üblichen Einspritzsystemen zu Defekten führen können – etwa Verkokungen. Außerdem reagieren Dichtungen in den Hochdruckpumpen sehr empfindlich auf diese Kraftstoffe. Der Betrieb eines Aggregats mit Bio-Diesel erfordert deshalb entsprechende Anpassungen und darf nur nach Freigabe durch den Motorenhersteller erfolgen.
  • Tankstellennetz:
    Über 1900 Tankstellen bieten in Deutschland Bio-Diesel an.
  • Kosten:
    Der Kraftstoff ist noch teilweise von der Mineralölsteuer befreit und daher rund zehn Cent billiger als normaler Diesel. Allerdings liegt der Mehrverbrauch bei bis zu zehn Prozent.

Bio-Ethanol – Alkohol stimuliert den Motor

In den USA, Schweden und Brasilien ist Bio-Ethanol bereits relativ weit verbreitet und dient als Alternative zu fossilen Kraftstoffen. Die deutsche Automobilindustrie hat weltweit bei der Entwicklung und beim Bau von Bio-Ethanol-Fahrzeugen die Nase vorn und ist Marktführer in Brasilien. Die drei deutschen Bio-Ethanol-Anlagen haben eine jährliche Produktionskapazität von rund 500.000 Tonnen Kraftstoff.

  • Herstellung:
    Bio-Ethanol ist ein Alkohol und wird aus der Vergärung zuckerhaltiger Rohstoffe gewonnen – etwa Getreide, Zuckerrüben oder Kartoffeln.
  • Umweltbilanz:
    Der CO2-Vorteil liegt im Vergleich zu Benzin bei rund 70 Prozent.
  • Fahrzeugbetrieb:
    Bio-Ethanol kann Ottokraftstoff beigemischt werden – etwa mit einem Anteil von 50 bis 85 Prozent (E 50, E 85). Bio-Ethanol darf nicht in konventionellen Triebwerken verwendet werden. Sogenannte Flexible Fuel Vehicles (FFV) können Benzin pur oder Bio-Ethanol in jedem Mischungsverhältnis konsumieren. Die Ventile und Ventilsitze der Motoren sind aus härterem Stahl gefertigt, und alle Kraftstoff führenden Teile bestehen aus besonders korrosionsbeständigen Materialien.
  • Tankstellennetz:
    Mittlerweile gibt es in Deutschland knapp 90 Zapfsäulen für den Kraftstoff auf Alkoholbasis, der bis zum Jahr 2015 steuerlich begünstigt ist. Der Liter E 85 kostet zwischen 90 Cent und einem Euro. Allerdings ist mit einem Mehrverbrauch von rund 30 Prozent zu rechnen.

BTL – Biomass-to-Liquid

  • Herstellung:
    Biomass-to-Liquid (BTL), also Sprit aus Biomasse, bezeichnet ein Verfahren, bei dem fast jeglicher pflanzliche Rohstoff durch Vergasung in flüssige Energie umgewandelt wird. Verwendet werden nicht nur Früchte oder Knollen, sondern die kompletten Pflanzen, aber auch Stroh oder schnell wachsende Bäume wie Pappeln oder Weiden. Aus einer Tonne Holz lassen sich bis zu 300 Liter BTL-Kraftstoff gewinnen. Noch in diesem Jahr soll die erste kommerziell arbeitende BTL-Anlage der Welt im sächsischen Freiberg den Betrieb aufnehmen. Der Produktionsprozess eignet sich besonders zur Herstellung von Diesel und Kerosin. Mit zusätzlichen Prozessverfahren kann auch Benzin gewonnen werden.
  • Umweltbilanz:
    Das CO2-Einsparungspotenzial beträgt bis zu über 90 Prozent. Selbst beim Einsatz in älteren Autos würden sich spürbare Emissionsvorteile ergeben.
  • Fahrbetrieb:
    Fahrzeuge können BTL ohne technische Änderungen problemlos tanken.

GTL und CTL – Gas-to-Liquid und Coal-to-Liquid

  • Herstellung:
    GTL (Gas-to-Liquid) und CTL (Coal-to-Liquid) werden aus den fossilen Energieträgern Erdgas und Kohle gewonnen. Die zunächst erstellten Synthesegase werden anschließend zu flüssigem Kraftstoff umgewandelt. Mineralölgesellschaften produzieren bereits heute GTL in großem Stil und mischen es ihren Kraftstoffen bei.
  • Umweltbilanz:
    Diesel mit GTL-Zusatz führt zu deutlich niedrigeren Schadstoffemissionen.
  • Fahrbetrieb:
    GTL-Diesel kann in beliebigen Prozentsätzen konventionellem Diesel zugesetzt werden. Veränderungen am Fahrzeugmotor sind nicht erforderlich.
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