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Abwärts: Warum ein Aufzug nicht abstürzen kann

Immer noch für viele ein Horrorszenario: Die Seile, die die Aufzugkabine halten, reißen eines nach dem anderen, bis der Lift in rasendem Tempo abwärts stürzt. Der Aufprall scheint unvermeidlich. Vor allem Kinofilme wie „Abwärts“ oder „Fahrstuhl in den Tod“ schüren die Ängste misstrauischer Aufzugnutzer. Doch die Realität sieht anders aus: Warum die Angst vor dem Absturz unbegründet ist, verrät Ihnen TÜV Rheinland. Nicht umsonst gilt der Aufzug heute als sicherstes Transportmittel überhaupt.


Otis’ Fangbremse

1853 führte Elisha Graves Otis (1811–1861) im „Crystal Palace“ von New York eine beeindruckende Erfindung vor: eine automatische Sicherheitseinrichtung, die den Aufzug stoppt, falls die Halteseile reißen. Zur Demonstration ließ er sich auf einer Holzplattform in die Höhe kurbeln. Oben angekommen, durchtrennte sein Assistent das Tragseil. Den Zuschauern hatten sich noch nicht ganz von dem Schreck erholt, als die Bühne bereits nach wenigen Sekunden sicher anhielt.

Nach Wegfall des Seils hatte eine Feder eine Bremse in Aktion gesetzt, wodurch die Bühne zum Stillstand kam. Mit Otis’ Worten: „All safe, Gentlemen, all safe“, war der Weg frei für eine neue Generation von sicheren Aufzügen und schuf damit die Basis für die heutigen Hochhausgiganten. Die Erfindung des absturzsicheren Lifts machte Otis’ Unternehmen zu einer weltbekannten Firma.

Aufzüge heute

Die Tragseile bestehen meist aus mehreren Drahtlitzen, die einen Kern ummanteln, der aus verschiedenen Materialien bestehen kann, zum Beispiel aus Stahl, Sisal oder Polypropylen. Die Tragseile sind darauf ausgelegt, das Zwölffache des zulässigen Gewichts der Kabine zu halten. Jeder heute neu installierte Treibscheibenaufzug besitzt neben einer Triebwerksbremse folgende weitere Sicherheitseinrichtungen:

  • Geschwindigkeitsbegrenzer: Er kontrolliert die Geschwindigkeit des Aufzugs über einen Fliehkraftregler. Überschreitet der Lift die zugelassene Höchstgeschwindigkeit – weil zum Beispiel ein Seil reißt -, löst der Geschwindigkeitsbegrenzer automatisch die Fangvorrichtung aus.
  • Fangvorrichtung: Sie befindet sich unterhalb der Führungsschuhe, an denen die Kabine durch die Führungsschienen im Schacht gleitet. Löst der Geschwindigkeitsbegrenzer die Fangvorrichtung aus, greifen deren Bremsbacken in die Führungsschienen und halten den Aufzug an.
  • Aufsetzpuffer: Er wirkt wie ein Stoßdämpfer und verringert die Verletzungsgefahr der Insassen, falls ein Aufzug aus geringer Höhe wegen eines technischen Defekts – etwa einem Leck in der Hydraulik – abstürzt, bevor die Fangvorrichtung eingreifen kann. Bei den Aufsetzpuffern handelt es sich meist um Kunststoff-Puffer oder um ölhydraulische Puffer.

Regelmäßige Wartung und Prüfung

Um die Sicherheit von Aufzügen dauerhaft zu garantieren, sind regelmäßige Wartungen der Anlage und zusätzliche neutrale Prüfungen durch Experten beispielsweise von TÜV Rheinland unerlässlich: Besonders stark frequentierte Aufzüge, zum Beispiel in Altersheimen, Kauf- oder Krankenhäusern, sollten in kürzeren regelmäßigen Abständen auf ihre Sicherheit überprüft werden, um zu verhindern, dass sie stecken bleiben.

Wichtige Fragen, die eine Aufzugprüfung klären kann:

  • Sind die Profile der Treibscheibe für die Aufzugseile stark abgenutzt, so dass gegebenenfalls die Seile durchrutschen könnten?
  • Sind die Bremsbeläge verschlissen oder verölt?
  • Funktionieren der Geschwindigkeitsbegrenzer und die Fangvorrichtung?
  • Schließen die Schachttüren sicher, wenn kein Fahrkorb dahinter steht?
  • Funktioniert die Notrufeinrichtung?