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Fachkraft für Finanzierung
Führungskraft im Umweltschutz
Fachinformatiker, Fachrichtung Systemintegration (IHK)
Fortbildung für das neue Vestas-Werk in Lauchhammer 
Berufskraftfahrer (IHK)

Fachkraft für Finanzierung

Jens Wendrich hat anderen Menschen voraus, sehr wissbegierig zu sein. Sein Bildungshunger half ihm, aus den sich verändernden Umständen das Beste zu machen. "Eigentlich bin ich von der Schulbank nie richtig runtergekommen", sagt er lächelnd. 

Wendrichs Laufbahn begann wie für viele in der Gegend um Görlitz im Tagebau als Maschinist. Gleich nach der Lehre lehrte er selbst an der Berufsschule bergbautechnische Fächer und technische Physik. Nebenbei brütete er über Büchern für sein eigenes berufbegleitendes Studium. Nach der Wende brach er es ab, weil er privat hätte fertig studieren müssen. Stattdessen ließ er sich auf dem zweiten Bildungsweg zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel umschulen. Fünf Jahre arbeitete er danach in einem Großhandelsbetrieb, dann machte sich dort Untergangsstimmung breit. Böser Vorbote für das endgültige Aus: Stellenabbau. "Ich hätte weiter arbeiten können - unter veränderten Bedingungen. Da bin ich freiwillig ausgestiegen und wurde wenigstens noch abgefunden."

Aus der Arbeitslosigkeit heraus bemühte sich der Hobby-Geologe gleichzeitig um eine Weiterbildung und um eine neue Anstellung. "Regional war da nichts zu holen. Erst als ich mich in den Boom-Regionen bewarb, hellte sich der Horizont auf." Wendrich hatte die Qual der Wahl unter etwa fünf Angeboten. Der Österreich-Fan setzte auf den mittelständischen Betrieb am Tegernsee. Sein zukünftiger Arbeitgeber sicherte ihm die Anstellung zu, allerdings nicht sofort. Wendrich sollte ein Jahr überbrücken, am besten mit einer Weiterbildung.

Bei der TÜV Akademie in Görlitz kam er im August 2000 beim Kurs "Fachkraft für Finanzierung, Buchhaltung und Controlling" unter. "Meine Ausbildung lag zehn Jahre zurück, da war eine Auffrischung nicht schlecht." In den unergründlichen Tiefen des Gedächtnisses verschwunden war zum Beispiel die Finanzmathematik. Und über den aktuellen Stand des Steuerrechts kann man immer etwas Neues lernen. Das achtwöchige Praktikum machte er bei seinem jetzigen Arbeitgeber. Heute pendelt der 36-jährige Vater von zwei Kindern zwischen der Stadt an der polnischen Grenze und dem Tegernsee, wo er als Einkäufer arbeitet. Und er hat sich einen Wunsch erfüllt: "Bildung ist zwar nie Zeitverschwendung. Aber irgendwann habe ich mir Kontinuität und Sicherheit in meinem Leben gewünscht."

Trotz der 630 Kilometer, die er als Pendler pro Tour zurücklegen muss: An den Tegernsee ziehen steht für ihn und seine Familie zunächst nicht zur Debatte, sie halten Görlitz die Treue. Und wenn schon in die Ferne schweifen, soll’s doch bitt’schön Österreich sein.

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Führungskraft im Umweltschutz

Jörg Otremba ist am glücklichsten, wenn er der Stadt entkommt. Unter freiem Himmel durch Landschaft und Natur streifen - das wollte er schon als Jugendlicher. Eine Lehre als Schlosser kombiniert mit Abitur hat er in der Tasche, als er weiß: "Montagehallen sind nichts für mich." 

Lieber wäre er Landwirt. 1993 schreibt er sich an der Fachhochschule ein für das Studium Landschaftsnutzung und Naturschutz, vier Jahre später verlässt er die Hörsäle als Diplom-Ingenieur. Doch die Jobsuche gestaltet sich schwierig. Ein Jahr kommt er in der Absolventenförderung beim Naturschutzbund unter, leitet Zivildienstleistende bei der Landschaftspflege an und erstellt fachliche Stellungnahmen. Dann bekommt er das Angebot als ABM-Kraft weiterzumachen. Doch der junge Ingenieur zieht einen Strich: "Mir war klar: Irgend etwas haut mit meiner Karriereplanung nicht hin."

Otremba meldet sich arbeitslos und macht sich auf die Suche. Er schreibt Bewerbungen, besucht Bildungsmessen, lässt sich vom Firmenchefs Tipps geben, mit welchen Voraussetzungen er bessere Jobchancen hat. "Ein Chef riet mir, mich beim TÜV weiterzubilden, weil das gut klingt." Obwohl er erst zwei Monate arbeitslos ist, überzeugt er seinen Arbeitsamtsberater in die einjährige Weiterbildung zur Führungskraft im Umweltschutz aufgenommen zu werden.

Im Frühjahr 1999 beginnt der Lehrgang der TÜV Akademie in Berlin-Spandau. Im Gegensatz zum Studium bekommt Otremba hier viele Einblicke in die Praxis. Zu jedem Thema macht die Klasse Exkursionen und auch die finanziellen Aspekte des Berufs werden besprochen. Im Unterricht ist der große Blonde äußerst engagiert, stellt viele Fragen. "Ich habe es den Dozenten nicht immer leicht gemacht."

Im Dezember beginnt der Wandlitzer ein mehrmonatiges Praktikum bei den Berliner Stadtgütern. Sein enormer Einsatz kommt gut an, Otremba scheut sich nicht so oft wie möglich raus auf die Güter zu fahren, vor Ort zu sein. Letztendlich unterschreibt er bei dem größten Flächenverwalter Brandenburgs einen Arbeitsvertrag. "Ich habe ein Riesenglück gehabt." Begeistert erzählt er von seinem vielseitigen Arbeitsalltag: Es fallen Stichworte wie Entgiftung von Rieselfeldern, Aufforstung oder Entsiegelung. Ein Großprojekt ist zum Beispiel die Schaffung von Ausgleichsflächen für den Autobahnbau. Hin und wieder muss der 28-Jährige auch zum Schreibtischtäter werden, mit Behörden und Forschern verhandeln. "Dabei hilft mir, dass ich beim TÜV viel über Umweltgesetze gelernt habe." Aber am liebsten steigt er in den Geländewagen und lässt die graue Stadt ganz weit hinter sich.

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Fachinformatiker, Fachrichtung Systemintegration (IHK)

Frank Hoy sah viele verlieren und einige gewinnen. Bei ihm - dem Croupier im Dresdner Kasino - machten jene ihr Spiel, die ihr Glück herausfordern wollten. Zehn Jahre arbeitete der verschmitzte junge Mann in der mondänen Welt von Poker, Roulette und einarmigen Banditen. 

Der Zapfenstreich für die Spielbank kam 1999: Dem neuen Eigentümer Staat fuhr sie zu wenig Gewinn ein. Pech für den Glücksspiel-Angestellten. Frank Hoy meldet sich arbeitslos und gilt dem Amt in seinem bisherigen Job als nicht vermittelbar. "Ich war prädestiniert für eine Umschulung." Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit weiß er, in welche Richtung sein künftiges Arbeitsleben gehen soll: Informatik. 

"Mein Interesse fürs Programmieren wurde eigentlich durch Computerspiele geweckt", sagt der gebürtige Dresdner. Eine zweijährige Umschulung bei der TÜV Akademie in Dresden zum Fachinformatiker, Fachrichtung Systemintegration, fasst er ins Auge. Bevor es los gehen kann, müssen unter 60 Kandidaten die 20 Geeignetsten ausgesiebt werden: Diese Feststellungsmaßnahme dauert sechs Wochen, in denen Grundlagen unterrichtet werden. Wer den Abschluss-Test unter den besten Zwanzig abschneidet, ist dabei. Der 33-Jährige gibt sich bescheiden: "Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe." Über die zwei Jahre Umschulung verteilt macht er insgesamt neun Monate Praktikum bei ein und derselben Multimedia-Firma. Als er seine IHK-Prüfung mit "Gut" besteht, bietet ihm das mittelständische Unternehmen einen Job als Administrator an. "Die Chemie hat einfach gestimmt." 

Am 13. August - einen Tag nachdem Teile Dresdens überflutet wurden - tritt er sein Probehalbjahr an. Als Administrator sorgt er dafür, dass die 25 Angestellten möglichst reibungslos mit dem firmeninternen Netzwerk arbeiten können. Dass die Rechner rund laufen ist für das Unternehmen von elementarer Bedeutung, denn es verdient mit der Entwicklung von Webseiten und Internet-Portalen sein Geld. "Ich bin zufrieden mit der Arbeit, aber die Anforderungen sind hoch. In meiner Freizeit muss ich mich weiterbilden, ich muss mich auf die besonderen Ansprüche des Unternehmens spezialisieren." Auf die Grundlagen, die er in der TÜV Akademie gelernt hat, baut er jetzt auf. "Aber zu meinem Beruf gehört es ohnehin, sich immer auf den neuesten Stand zu bringen."

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Fortbildung für das neue Vestas-Werk in Lauchhammer

Die neue Rotorblattfabrik der Vestas-Unternehmensgruppe in Lauchhammer startete im Mai 2002 die Produktion. Kurze Zeit darauf arbeiteten dort bereits 300 Mitarbeiter/innen. Alle wurden einzeln und intensiv für den neuen Job geschult - die ersten 100 am Stammsitz in Dänemark, alle anderen von der TÜV Akademie in Lauchhammer. Zu den Teilnehmern gehörten auch Angelika Wüstfeld und Enrico Bergk.  

Angelika Wüstfeld arbeitet in der Endfertigung der riesigen Flügel. Das Schleifen und genaue Ausbessern ist nichts Neues für sie: als Ziseleur bildete sie früher Figuren modellgetreu nach. Auf die Theorie ihres neuen Aufgabenfelds wurde sie vom TÜV vorbereitet. Als der Kurs begann, saß ihr der "Schreck" über die Einstellung noch in den Knochen: "Dass das noch klappte - damit habe ich wirklich nicht mehr gerechnet." Seit 1993 war Wüstfeld ohne Beschäftigung, nur durch zwei ABM-Maßnahmen unterbrochen. Seit 2000 blieb sie durchgängig zu Hause. "Arbeitslosigkeit ist schlimm für mich." Umso besser geht es ihr jetzt: "Hier habe ich mich schnell eingelebt, die Arbeit ist abwechslungsreich und ich komme mit jedem gut aus." Dass in der dänischen Firma jeder jeden dutzt, gefällt ihr besonders. Und lachend verrät die 49-Jährige: "Bei der Arbeit bleibt man fit, wenn man den ganzen Tag unter dem Flügel durch und drum herum wirbelt."

"Arbeitsschutz ist das A und O, darauf wurde auch bei der TÜV-Schulung besonderer Wert gelegt", sagt Enrico Bergk, der ebenfalls in der Endfertigung arbeitet. Nach dem Lehrgang war er wegen der Sicherheit noch aufgeregt, aber das legte sich nach den ersten paar Tagen. Schnell wurden die üblichen Vorsichtsmaßnahmen für den 31-jährigen selbstverständlich. Der gelernte Maler jobbte früher auf dem Bau. Nachdem er rund ein Jahr arbeitslos war, bewarb er sich bei Vestas. Nach eineinhalb Wochen kam die Zusage. "Mein handwerkliches Talent war sicher günstig für die Bewerbung." Besonders gefallen ihm an seiner neuen Anstellung die geregelten Arbeitszeiten und dass in der Endfertigung jeder alles macht, weil jeder sich um seinen "eigenen" Flügel kümmert. "Es macht Spaß und das Arbeitsklima ist gut."

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Berufskraftfahrer (IHK)

"Die Busfahrer kannten mich schon, weil ich Sie ständig über die Busse ausgefragt habe", sagt Dirk Mahler. Das war noch lange vor seiner Zeit als Berufskraftfahrer, der er heute ist. Wenn er in Regensburg die Fahrgäste sicher von Haltestelle zu Haltestelle kutschiert, ist er zufrieden.

Dabei begann seine Brummi-Karriere ganz plötzlich: Nach vier Jahren als Zeitsoldat wurde er arbeitslos, weil bei der Bundeswehr Stellen eingedampft wurden. Das Jahr ohne Job machte ihm klar: Er wollte einen richtigen Beruf erlernen. Bei großen Autos bekam Dirk Mahler schon immer große Augen, deswegen zeigte ihm sein Opa ein Inserat der TÜV Akademie in der Sonntagsausgabe der Neubrandenburger Zeitung: Schlosser-Schüler wurden da gesucht und klein gedruckt einige freie Plätze für eine Umschulung zum Berufskraftfahrer angeboten. Montag Morgen rief Dirk Mahler beim TÜV an, am gleichen Tag machte er einen Eignungstest und am Dienstag stand fest: Er ist angenommen. Kurzerhand stimmte der entschlossene Busfahrer-Novize seinen Plan mit dem Arbeitsamt ab und am Mittwoch besuchte er zum ersten Mal den Unterricht zusammen mit 22 anderen Schülern. 

In 15 Monaten lernte er viel über das Innenleben von LKWs, wie man sie repariert und die Straßenschiffe geschickt durch noch so enge Gassen manövriert. Als er ein Trocken-Buskapitän war, machte er drei Monate Praktikum beim Neubrandenburger Nahverkehr. Die IHK-Prüfung bestand er mit Bravour. 

Und seine Erfolgsfahrt blieb ungebremst: Gleich auf die erste Bewerbung hin bot man ihm einen Vertrag. Mahler dachte sich: Vergleichen lohnt sich und bewarb sich bei etwa 15 Unternehmen. Bis auf eines luden ihn alle zum Gespräch ein, acht wollten ihn einstellen. Er hatte die Wahl. Und entschied sich für den Regensburger Nahverkehr. "Ich hatte gegenüber meinen Mitbewerbern den Vorteil, eine richtige Ausbildung und nicht nur einen Kraftfahrzeugführerschein zu haben." 

Von der TÜV Akademie fühlte er sich gut für seine beruflichen Aufgaben gewappnet. Aber auf eins konnten ihn seine Ausbilder nicht vorbereiten: Seine Fahrgäste in Regensburg sprechen Bayrisch. "Ich habe mich schon daran gewöhnt. Nur die Umgangssprache ist manchmal noch schwierig." Süddeutschland ist für ihn fast zur Heimat geworden. Nach Neubrandenburg kommt er nur noch zwei Mal im Monat wegen seiner Freundin und seiner kleinen Tochter. Aber die Beiden wollen ihrem Brummifahrer so schnell wie möglich nach Regensburg folgen.

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